Ein riesiger Garten umgab das Gebäude, zu dem sogar diverse Stallungen gehörten. Ich kam mir vor, als wäre ich in die Kulisse eines Jane Austen Romans geraten. Das alte Gemäuer weckte Ehrfurcht in mir, die ich aber schnell auf die Seite schob. Ich kaute cool auf meinem Kaugummi herum, als ich die elegant gekleidete Dame bemerkte. Elizabeth Barnes betrachtete mich.
Tante Betty stand auf den Stufen einer Steintreppe, die ins Innere des Hauses führte. Obwohl sie mehrere Bedienstete hatte, schnappte sie sich meinen schwersten Koffer. Ich gab dem Taxifahrer ein knappes Trinkgeld, das er mit einem fiesen Grinsen entgegennahm. Wir waren uns nicht sehr grün, da er mich vergebens ermahnt hatte, meine Turnschuhe nicht gegen sein Handschuhfach zu stemmen. Das ging sogar so weit, dass er meinte, er würde mich am liebsten übers Knie legen. Darüber konnte ich natürlich nur lauthals lachen. Auf was für blöde Ideen manche Leute so kamen!
Ich hatte den Eindruck, dass er Tante Betty kannte. Er zwinkerte ihr zu, als ich mir provokativ durch die Haare strich. Nickte Tante Betty, oder hatte ich mich da verguckt? Ich griff meine Reisetasche, um ihr zu folgen. Zum Abschied wackelte ich frech mit den Hüften, damit der blöde Kerl noch was Nettes zu glotzen hatte. Ich machte absichtlich ein Hohlkreuz, weil ich hoffte, dass meine extrem knappen Hotpants den unteren Teil meiner Pobacken freigaben. Seinen aufgerissenen Augen nach, schien es geklappt zu haben. Tante Betty sah es allerdings auch, was sie durch einen argwöhnischen Blick in meine Richtung bestätigte. Mir kam es plötzlich so vor, als freute sich dieser ältere Taxifahrer über Tantes Missfallen. Wusste er etwas, das mir entging? Ich verdrängte meine Vermutung, da sie mir unangenehme Gefühle bescherte. Als wir im Vorraum der weiträumigen Villa im Landhausstil standen, begrüßte mich Tante offiziell: „Sei herzlich willkommen, Christina!
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.