*****
Um möglichst keinen Fehler in Sachen Adoption zu begehen, hatten die Anderssons einen Anwalt für Familienrecht konsultiert. Dieser stellte durchaus in Aussicht, gewisse Procederes verkürzen zu können, da Martin bereits ein eigenes Kind hatte. Auch stand fest, dass ausschließlich die Kinder Clara und Leon für die Adoption in Frage kämen.
Der Papierkram war schon enorm. „Sie wollen von mir ein Gesundheitszeugnis?“, empörte sich Olivia. „Glauben die echt, dass ich ein Passagierflugzeug führen darf, wenn ich nicht fit bin?“ Ganz schwierig zu erstellen war auch das Bewerbungsschreiben, in welchem die Adoptionseltern begründen, warum sie ein Kind adoptieren wollen. Der Anwalt war dabei eine große Hilfe.
Es zog sich halt.
Dazu das Eignungsprüfungsverfahren. Im Eignungsprüfungsverfahren werden die Eltern, wie es der Name verrät, in Gesprächen mit dem Jugendamt auf ihre Eignung als Adoptiveltern geprüft. Es finden Einzel- und Paargespräche mit einem Sozialarbeiter statt, in denen Fragen zur eigenen Kindheit gestellt werden, zur Beziehung zueinander, zum Kinderwunsch und zu den Zukunftsvorstellungen.
Wichtig ist es, die persönlichen Grenzen der potentiellen Adoptiveltern herauszufinden, denn ein nicht leibliches Kind, dass unter Umständen einen schwierigen Start ins Leben hatte und möglicherweise ganz anders als die Adoptiveltern ist, kann zu Ablehnung führen. Es ist wichtig herauszufinden, was Eltern wichtig ist und vor allem, was ihnen zuzumuten ist.
Tatsächlich dauert das Eignungsprüfungsverfahren zwischen vier und neun Monate. Wurde die Eignung des Paares festgestellt, dann besteht diese für 2 Jahre.
Olivia brach es jedes Mal beinahe das Herz, wenn sie Clara und Leon wieder im Heim abliefern musste. Aber, und das machte sie sehr geschickt, die Kinder fassten mehr und mehr Vertrauen zu Liv. Ja, Clara erzählte sogar von ihrer Mama und zeigte ihr Fotos und Briefe, die sie in einer Schachtel aufbewahrte.
*****
„Vom Jugendamt wurden uns die Kinder bereits überstellt, als ihre Mutter ins Krankenhaus kam.“, erzählte Frau Müller auf Olivias Nachfrage. „Frau Riedl, die Mutter von Clara und Leon, hat mir persönlich glaubhaft versichert, dass der Vater ihrer Tochter ein One-Night-Stand war und sie nicht einmal seinen ganzen Namen kannte. Und den Erzeuger von Leon, Frau Riedls eigene Worte, hat sie bis zu ihrem Tod verschwiegen. „Dass der ein Kind hat, braucht er nicht zu wissen“ meinte sie verbittert.“
„Hier: Martina Riedl“. Selbst der Name stand noch an der Türglocke. Nachdem es keine weiteren Angehörigen gab, hat man dem Vermieter den gesamten Hausstand vermacht. Und dieser hatte sich bis heute nicht um die Räumung der Wohnung bemüht. Glück für die Anderssons. Martin bekam, nach einem gewissen „Handgeld“, den Schlüssel ausgehändigt und betrat nun mit Olivia zusammen die Wohnung am Hasenbergl.
„Ob es klug ist, die Kinder einmal herzubringen, bevor das Ganze aufgelöst wird?“ Auf diese Frage fanden weder Martin noch Olivia eine Antwort.
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.