Claudia und die Marokkaner

13 3-6 Minuten 0 Kommentare
Claudia und die Marokkaner

Claudia und die Marokkaner

Anita Isiris

Eigentlich wollte er nur noch ein paar CDs holen. Die Neue von Udo Lindenberg. Mark Knopfler. Roger Waters. Bereits im Treppenhaus schlug ihm der Geruch von Chili-Schoten entgegen. Alles hier war ihm so vertraut – sogar die abgeschlagene Ecke bei der Haustür, wo Claudia einst, im Streit mit ihm, einen Skischuh hingeschleudert hatte. Er empfand ein eigentümliches Gefühl im Bauch, dem er aber keine Beachtung schenkte. Verdrängen war ohnehin seine Lebensstrategie. Schöne Momente hinauszögern bis ins Endlose, Problemsituationen in einer ähnlichen Dimension verdrängen – und so gar nicht an sich herankommen lassen. So hatte er sich sein Leben gestaltet – und gar nicht mal so schlecht, wie er fand.

Bis auf die Trennung von Claudia.

Kurz vor Weihnachten hatte sie ihn aus der gemeinsamen Wohnung geschmissen, ihn, den Frauen doch sonst so gut mochten.

«Ein einzig’ böses Weib

Lebt hier auf dieser Welt

Nur schlimm, dass jeder seins

Für dieses Ein’ge hält»

Dieser Lichtenberg-Aphorismus war es gewesen, der ihre Beziehung zerrüttet hatte. Allmählich hatte er tatsächlich, ohne das im Grunde zu wollen, alles Negative, alle Enttäuschungen auf seine Claudia projiziert. Und die hatte das nicht lange geschluckt und mit verbalen Waffen, später auch mit den Fäusten auf ihn gefeuert.

Derart in Gedanken versunken, öffnete er die Haustür; sie war unverschlossen. Der Chili-Geruch verstärkte sich sofort, aber da schwang noch eine andere Duftessenz mit. Schwer, süsslich. Claudias Parfum? Kaum – sie trug immer l’Air du Temps hinter den Ohrläppchen auf – und dieses Parfum erregte ihn sofort, weil es ihn in Zeiten zurückversetzte, als sie, in langen Regennächten, in Schottland im kleinen blauen Zweierzeit miteinander gevögelt hatten. Wieder und wieder. Was denn sonst… wenn die dünnen Wände dem Nass nicht mehr standhalten konnten und die Taschenlampenbatterie leer war? Seither hatte er Körperlichkeit mit einer Frau nie wieder so intensiv erlebt. Claudias Haar. Claudias Atem. Claudias Hals. Claudias hellbraune, steife kleine Nippel. Claudias Bauch. Claudias Arsch, klar. Claudias Vulva, sowieso. Claudias feucht glitzerndes Liebesloch, aber sowieso.

Bestimmt hatte sie es auch genossen, damals in Schottland, wo sie drei Wochen später in einem kleinen Wald überall Zecken fanden. Kleine, widerliche Krabbeltiere. Und was hatte er getan? Er hatte die kleinen, widerlichen Krabbeltiere als Vorwand genutzt, um Claudia ganz genau zu untersuchen. «Du musst Dich schon hinlegen», hatte er gesagt und mit der Taschenlampe die kunstvollen Fältelungen ihrer Möse untersucht, während sie sich vor Angst und Ekel gewunden hatte. Claudias Mösenduft. Ein Märchen für sich ganz allein.

Er trat durch den Korridor und wusste sofort, woher der süssliche Duft kam. Claudia kniete auf zwei farbigen marokkanischen Kissen, eines unter jeden Knie, und sog an einer Knille, die ihr ein halbnackter Marokkaner hinhielt. Claudias Lippen glänzten, und sie sog gierig, während ein weiterer Marokkaner ihre nackten Pobacken knetete, genussvoll, intensiv. Des Marokkaners Hände auf Claudias weisser Haut.

Ihn schauderte. Sein Schätzchen, das ihn gerade noch vor ehedem auf die Strasse gesetzt hatte, schien das Spiel mit den Männern zu geniessen. Überall standen Wasserpfeifen, etwa fünf Shisha rauchende Typen waren auszumachen, zum Teil nachlässig hingefläzt aufs grau-weisse Sofa, das sie letztes Jahr in der IKEA erstanden hatten.

Es konnte sich nur noch um Minuten handeln, bis der knetende Marokkaner seinen Tiger befreite und die süsse Krankengymnastin aufspiesste. Offensichtlich war sie zu allem bereit, auch dazu.

Die Marokkaner nahmen ihn nicht wahr. Viel zu sehr waren sie mit sich, ihren Knillen, den Wasserpfeifen, dem Shisha und der splitternackten Claudia beschäftigt. Der Tisch war mit gebrauchtem Geschirr überladen – sie hatten also das Chili-Con-Carne-Mahl schon hinter sich. Braune Fleischspritzer überall.

Er atmete tief durch, ging in die Küche und öffnete den Schrank mit den Blumenvasen. Eine Runde, Mittelgrosse, Azurblaue nahm er heraus und füllte sie mit frischem Leitungswasser. Er sah, dass seine Hände zitterten. Dann hörte er Claudias Brunftschrei. So hatte er sie noch nie gehört. Sie war in einem vollkommen anderen Film, und in ihrem Kreislauf pulsierte das vermutlich hochdosierte THC. Er wickelte die fünf Nelken aus, die er für sie mitgebracht hatte, stellte sie in die blaue Vase und ging zurück ins Wohnzimmer. Die Vase stellte er auf einen kleinen Fleck, den er in all dem ungewaschenen Geschirr noch ausmachen konnte.

Mit rhythmischen Stössen vögelte ein schwarzer Hüne, der ihm zuvor noch nicht aufgefallen war, sein kleines, zartes Schätzchen. In diesem Moment stellte er fest, dass er sie noch immer liebte – trotz all der Demütigungen. Stoisch sogen die Männer an ihren Wasserpfeifen. Claudias Gesicht war ihm zugewandt; sie wirkte weggetreten schien ihn nicht zu erkennen. «Claudia», flüsterte er und schenkte sich aus einer Karaffe Wasser ein, in ein leeres Glas, von dem er vermutete, dass es noch ungebraucht war.

Dann liess der Hüne seine riesigen Pranken auf Claudias Arschbacken niedersausen. Wieder und wieder. Sie warf den Kopf nach hinten, als wäre sie ein junges Fohlen. Er hatte den Eindruck, dass dies der Moment war, in dem sie richtig entjungfert und somit zur Frau gemacht wurde. Sex mit ihm war wohl Pipifax gewesen, kleine, unschuldige Spermaspritzer in Claudias Krankengymnastinnenscheide. Das. Hier. Aber. War. Echt. Hammermässig. Erneut schrie Claudia auf. Lustschmerz. Schmerzenslust. Der Hüne hatte sie vollkommen im Griff.

Gerne hätte er einen letzten Blick auf Claudias Krankengymnastinnenbrüste geworfen. Aber es war zu dunkel, der Winter war gekommen.

Wieder wurde ihr eine Knille zwischen die Lippen geschoben. «Keep calm, baby», vermeinte er zu hören. «He is doing you good. Enjoy your anal ritual. Enjoy». Sein Herz machte einen Sprung. Darum diese durchdringenden Schreie. Sie waren dabei, Claudia anal zu entjungfern. Analsex mit ihm hatte sie stets abgelehnt, den Marokkanern aber gab sie ihr Poloch bereitwillig. Immerhin hatte er, ab und an, seinen Zeigefinger hineinstecken dürfen. Auch feuchte Träume hatte er gehabt und sich vorgestellt, wie sie im Slip vor ihrem Spind stand, im Spital, und vom einen oder andern Assistenten rangenommen wurde.

Er stand auf, setzte das Wasserglas ab, warf einen letzten Blick auf die sich windende Claudia, atmete abermals tief durch, schlüpfte in seinen Trenchcoat, verliess die Wohnung und kehrte nie mehr zurück.

Am nächsten Tag war Weihnacht.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 11593

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben