Corona-Sex-Blog

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Claudia Carl

Seit sage und schreibe vier einhalb Monaten bin ich treu. Damals, am 13. Mai, ging mir mein Liebhaber abhanden, mitten in der Coronakrise. Es war unser Jubiläumssex, wir kannten uns genau ein Jahr. Wie alle meine Liebhaber hatte ich ihn beim Tanzen kennengelernt.

Jener Maiabend war etwa öde, es war ziemlich leer im Tanzlokal und auch in mir. Mein damaliger Liebhaber hatte sich lange nicht blicken lassen, er kam alle zwei, drei Monate ins Tanzlokal. Er kannte meine Tanztage: Sonntag und Mittwoch. Und wenn er an diesen Tagen den Raum betrat, mit seiner Glatze, seinem unverschämten Jäger-Blick, seinem stets weißen Hemd unter Jackett, manchmal auch in einem todchicen Bussinessanzug, dann wusste ich, was es geschlagen hatte.

Ich hatte aber nicht immer genau an diesem Tag Lust. Das war ihm egal. Er baggerte auf seine übel aufdringliche Art, schob mir beim Tanzen sein Knie zwischen die Beine, grapschte meinen Arsch und das vor allem Leuten. Es war im Grunde ekelhaft. Aber doch saßen wir dann so gut wie immer gegen 22.30 Uhr im Taxi auf dem Weg in ein Hotel. Kaum hatten wir auf dem Rücksitz Platz genommen, öffnete er seine Hose und holte seinen Schwanz raus, packte meine Hand und legte sie auf diesen. Gleichzeitig machte er Smalltalk mit dem Taxifahrer oder spielte eine kleine Komödie mit mir vor ihm. Gell, Schatz, jetzt sind wir müde, wir müssen ins Bett und schlafen, wir haben so viel getanzt. Die Taxifahrer gingen auf sein Gerede ein, absurde Dialoge drangen an meine Ohren, während ich immer wieder meine Hand von seinem Schwanz weg zog und er sie wieder hin zog.

Wir stiegen immer am Stachus aus, meist vor dem kleinen Hotel, in dem wir schon oft Erfolg gehabt hatten. Mein Liebhaber, er behauptete, er hieße Ralf, ging ganz an die Rezeption und sprach auf den Rezeptionisten ein. Ich blieb peinlich berührt ein paar Schritte hinter ihm, fühlte mich als seine Nutte, der Mann an der Rezeption sagte, es sei nichts frei, R zog Scheine aus der Hosentasche und magischerweise wurde dann doch etwas frei. Er gab ohne mit der Wimper zu zucken 200 Euro aus für zwei Stunden mit mir. Nutte halt.

Wenn ich oft zu ihm sagte: Da kannst du ja auch ins Puff gehen, antwortete er: Vielleicht bist du besser.

R hat keine Handynummer von mir und ich keine von ihm. Wenn er manchmal in einem Hotel seinen Namen und seine Adresse eintragen musste, schaute ich mit Absicht weg. Ich wollte nichts über ihn wissen, keine Wahrheiten. Der Reiz war ja gerade, mit einem anonymen Mann ins Bett zu gehen.

Mein Gott, er war kein guter Liebhaber. Er war grob und meist nervös, vielleicht hatte er insgeheim Angst um seine Potenz, war ja nicht mehr der Jüngste, ich schätzte ihn auf Mitte/Ende 50. Er tat auch oft so, als würde er lecken. Es war ein Witz. Mir tat hinterher immer die Muschi weh von seinen groben Griffen, wie er seine Finger in mich schob, wie er seinen Schwanz, lobenswerterweise immer mit Kondom, in mich schob. Ich war oft froh, wenn ich nach dem Sex seine Unruhe bemerkte. Denn dann gelüstete es ihn nach einer Zigarette und einem Weißbier. Dann, so wusste ich, würden wir bald gehen. Er würde fragen: „Gehen wir noch was trinken?“ Ich würde sagen: „Ach nein, ich muss nach Hause, mein Mann wartet.“ Ich trinke keinen Alkohol und habe auch keinen Mann, aber eine feste Beziehung. Wir wohnen nicht zusammen, sonst könnte ich es auch nicht über die Muschi bringen, fremd zu gehen. Mit fremdem Sperma angefüllt ins Ehebett, nein, so schlimm wäre ich dann doch nicht.

R war also im Bett eine Null, aber er hatte was. Er war genau das, was ich mir unter einem abenteuerlichen Liebhaber vorstelle. Er kam unverhofft, er hatte eine Dreistigkeit, er war weltmännisch, auf jeden Fall in dem Sinne, dass er sein Geld rauswarf ohne Reue, dass ich mit ihm eine ganze Reihe neue Hotels in meiner Heimatstadt München kennenlernte, in denen ich mit anderen Liebhabern noch nicht gewesen war. Er hatte eine dominante Ader, was mich immer weich macht. So etwa schickte er mich öfters in ein Hotel, mit ein paar Hunderten in der Hand. „Frag ob sie ein Zimmer haben“. Das fand ich insofern pervers und besonders erregend, weil ich quasi mein eigenes Nuttenzimmer besorgen musste. Aber meistens war ich keine gute Verhandlerin und er musste dann doch noch selbst reinkommen, wenn er seine Zigarette zu Ende geraucht hatte. Manchmal war wirklich nichts frei und der Rezeptionist telefonierte kurz und schickte uns dann in ein anderes Hotel, in dem wir landen konnten.

Oft wollte er auch vorher noch ins Pornokino. Darauf hatte ich überhaupt keine Lust, obwohl ich es war, die ihm diese Einrichtung überhaupt gezeigt hatte. Ich war meist nicht in der Stimmung, mich vor anderen auszuziehen oder R einen zu blasen unter den Augen anderer Männer. Doch ich kam manchmal dann doch in Stimmung. Das aber gefiel R auch wieder nicht. Denn ich hätte dann Lust auf die große Sause bekommen, hätte gerne auch andere Männer befriedigt. Doch dann kam der sofortige Abflug, heim ins Hotel. Er konnte dann doch nur dort.

Ja, das war R. Und mit dem Schließen des Tanzlokals aufgrund der fucking Coronakrise verschwand er gezwungenermaßen von der Bildfläche.

Wobei ich ihn ja bereits viel seltener erhört hatte aufgrund von F. Franz, seines Zeichens Österreicher, der an jenem langweiligen Maiabend im fast leeren Tanzlokal erschien. Ich sah ihn zur vorderen Tür hereinkommen, und ich sah, wie eine meiner Tanz-Konkurrentinnen ihn ansprach. Mein Kampfgeist erwachte. Die, immer die, die schnappt sich immer gleich alles Frischfleisch, Wut ! Doch ich hatte Glück. F. dreht eine Runde und kam auf dem Weg zum Klo bei mir vorbei – wie alle immer dank meines Stammplatzes vor der Tür zum Klo – und ich strahlte mein schönstes Lächeln und säuselte: Hallooo.

So fing es an, er war im Grunde perfekt. Der perfekte Liebhaber. Sein Aussehen war nicht so eindeutig macho grob wie das von R, man hätte F auch für den idealen Schwiegersohn halten können. Brille, graue Haare, aber trotzdem eine jugendlich jungenhafte Aura. Er hatte guten Kleidergeschmack, bei ihm aber eher der sportliche Stil: Jeans, teuer aussehende Sneakers, ein sportliches Oberteil. Und diese Ausstrahlung, die vermutlich jede Frau verrückt macht: Ich bin hier, aber noch unentschlossen, ich bin unschuldig, aber verführbar, ich bin nicht aufdringlich, aber ich liebe aufdringliche Frauen.

Es dauerte tatsächlich bis zum dritten Wiedersehen im Tanzlokal, bis wir im Bett landeten. Das war ja schon fast ein Beziehungsanfang ! Aber nur seine bewährte Masche. Ein Jahr lang hatten wir die ausgeglichenste Liebesaffäre, die ich je hatte, jedenfalls was die Balance zwischen Nähe und Distanz betrifft. F war immer da an unseren Dates – mittwochs – und er war pünktlich und er war nett und er war geil. Im Taxi war er weit angenehmer als R, denn er ließ seinen Schwanz drin und ich konnte mich an ihn kuscheln. Im Bett war er wunderbar.

Ich konnte so richtig schön faul sein. Er stürzte sich auf mich und fickte und leckte und drang und drang und drang in mich ein, und leckte wieder, aber nicht mit der Zungenspitze, sondern mit seiner ganzen Seele. Er schlabberte sich in mich hinein, stundenlang, wie es schien. Ich konnte fast dabei einschlafen, zumindest mit genial entspannen und das Gefühl genießen, dass ein Mann mich begehrt. Orgasmus? Nein, bekam ich nie, nur ein einziges Mal, als ich offenbar wegen Jet Lag in einem anderen Zeitrhythmus war und auch nachts noch konnte. Ansonsten ließ ich ihn einfach machen und meine Fantasie anregen und am nächsten Tag machte ich es mir genüsslich selbst mit dem Stil meiner Haarbürste.

Das fand er nicht ganz so gut, aber was wollte er machen.

An unserem Jubiläumstag lief er zu Höchstform auf. Ich glaube, wir fickten drei bis vier Stunden lang ununterbrochen, wobei er die meiste Arbeit erledigte. Außerdem war er im Leck- und Spuckerausch. Er ließ seine Spucke auf meine Muschi tropfen und leckte sie dann wieder an, er leckte seinen Finger ab, nachdem er in meiner Muschi gewesen war und ließ mich ihn ablecken. Es war die reine Speichelorgie.

Zwei Tage später hatte ich Tripper.

Mir fielen dann einige Schuppen von den Augen. Zum einen wusste ich, dass er trotz seine Psychopharmaka, die er einnahm, noch immer sexsüchtig war. Dass er nicht nur mit mir, sondern mit wer weiß wie vielen Frauen fickte und leckte. Und das mitten in der Coronakrise. Und dass es gelogen gewesen war, wenn er mir bittende sms schrieb: „Ich bin doch gesund, ich hab doch zu niemandem Kontakt.“ Nach fünf Wochen Corona-Pause hatte ich mich durch solche Bekenntnisse wieder überreden lassen, weil mir auch der Sex, der Körperkontakt so wahnsinnig fehlten in dem Irrsinn und Wahnsinn der Corona-Welt.

Dass er Psychopharmaka nahm, hatte ich schon nach wenigen Wochen rausbekommen. Es war eine Eingebung, danach zu fragen, weil er mir von einem Freund berichtet hatte, der Psychopharmaka nahm. Es war ein Volltreffer. Lügen konnte er nicht immer gut, aber verschweigen. Seine Erklärung damals war: Burnout. Das klingt ja heutzutage richtig chic und macht einen Mann im Grunde noch interessanter.

Eine ganze Weile später aber kam die ganze Wahrheit ans Licht: Er nahm Psychopharmaka, weil er ein paar Monate nach dem Amoklauf 2016 in München mit einer Spielzeugpistole in ein McDonalds Lokal gegangen war und die Leute bedroht hatte. Er kam in die Klapse.

Das war auch nicht sein erster psychotischer Anfall, wie ich noch später erfuhr. Er litt wohl unter dieser Krankheit schon seit seiner Jugend.

Ich hatte nachdem ich dies alles wusste zwar ein leicht mulmiges Gefühl, aber keine wirkliche Angst vor ihm. Im Gegenteil, ich fühlte mich ihm besonders verbunden, da ich mich selbst manchmal für verrückt halte und in meiner Jugend auch Panikattacken und Depressionen gehabt hatte. Solange er seine Tabletten nahm, war er auch nicht beängstigend, und ich kannte ihn ja nur so. Er wirkte im Gegenteil besonders einfühlsam, er sagte oft Dinge, die absonderlich waren, aber die ich auch schon so empfunden hatte.

Wir wären wohl jetzt noch „zusammen“, wenn nicht das mit dem Tripper gewesen wäre. Das war dann doch zu ekelhaft und es zeigte mir, dass seine „Harmonie“ große Risse hatte.

Nun also bin ich schon seit vier ein halb Monaten treu. Man könnte auch sagen, ich habe gar keinen Sex, weil das eigentlich so ist. Ist aber für meine Haupt-Teilzeit-Beziehung kein Problem. Wir hatten viele Jahre lang viel Sex, ich bin inzwischen froh, dass dieser Tagesordnungspunkt nicht mehr zu erledigen ist. So haben wir viel entspannter Spaß und lieben uns fast noch mehr.

Trotzdem fehlt mir etwas. Mir fehlt das brodelnde Tanzlokal, das Angebot an Männern und Abenteuern, das sich dort bietet, allein wenn man auf einem Platz mittendrin sitzt. Mir fehlt genau die Mischung zwischen Zufälligkeit und Absicht, die man in diesem Ambiente finden kann. Mir fehlt das Abenteuer, in Hotels oder fremden Wohnungen, in fremden Betten zu landen. Mir fehlt mein Jagdrevier und ich finde ich sonst nirgends.

Männer mit Masken – es tut mir leid, aber mein Respekt vor diesen Kreaturen sinkt allein schon durch diesen Anblick. Wie können sie sich einem Befehl von einem Markus Söder oder eine Angela Merkel so einfach unterordnen ? Wie soll ich mich ihnen dann noch unterordnen können? Ja ich gebe zu, ein bisschen sado muss ein Mann schon sein, nein, nicht in seinen Handlungen, aber in seiner Aura. Er muss stark sein, unverschämt, sich einfach nehmen, was er will, er darf auch lügen, betrügen, Frauen ausnutzen. Aber ein Anpasser an Maskenzwang? Ekelhaft.

Noch schlimmer sind Männer, die ihre Psychomacke mit der Maske darstellen. Ich sehe hin und wieder welche, die fast schon komplett vermummt durch die Gegend laufen, sie wirken wie Vergewaltiger oder Irre aus der Klapse. Ich kann einfach keinen Respekt haben vor Männern, die so dumm sind, dass sie dieses Coronamärchen glauben. Die auch noch Angst sichtlich Angst haben. Und ich kann Sex einfach nur mit Männern haben, vor denen ich Respekt habe, oder es mir zumindest einbilden kann.

Ich vermisse etwas, aber ich habe zur Zeit keine Ahnung, wo ich einen Mann finden könnte, mit dem ich Sex haben wollen würde. Mit dem ich eine abenteuerliche Liebesaffäre haben könnte. Würden sich die Männer überhaupt noch trauen, zu küssen? Oder hätten sie Angst vor einem Virus? Allein das Flirten auf der Straße ist fast schon unmöglich geworden, die Männer – die Frauen vermutlich auch – sind zu Corona-Zombies geworden, die das, was im Grunde ihre allergrößte Lebenslust ausmacht, den Sex, aus Angst verdrängen. Vielleicht ist das jetzt auch nur meine ganz persönliche Corona Zombie Fantasie.

Wie finde ich einen Mann zum entspannten Ficken ?

Gibt’s das überhaupt noch?

Oder sind wir schon in der neuen sexfreien Unnormalität?

Die Fortsetzung folgt in einigen Tagen.

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