Während der eine mich nahm, war ich den Blicken des anderen ausgesetzt, spürte ich die Lippen des einen, trieb der andere seinen Penis tief in mich hinein - wenn Manuel es war, konnte das vor mir aus auch Stunden dauern. Begleitet von leiser Musik, schloss ich die Augen und verlor mich zuletzt ganz in der Fantasie, in meinem Schoß würden gleich zwei steife Glieder im Wettlauf um meinen nächsten Orgasmus ringen.
Ich fand erst wieder zurück in die Wirklichkeit, als ich Gabriels Hände spürte, die mich einfach zur Seite schoben. Nur der Klang der Musik hallte weiter in meinen Ohren. Sie kam aus einer geöffneten Tür direkt vor mir, durch die Gabriel das Atelier betrat. Ich folgte ihm, blieb stehen und schaute mich um.
Mein Blick fiel sofort auf eine Staffelei mit einer großformatigen Zeichnung, die eine nackte Frau in einer freimütigen Pose zeigte. Hinter der Staffelei bemerkte ich einen jungen Mann mit einem Stift in der Hand, den er gekonnt über das Papier führte. Ganz sicher war er einer der jungen Nachwuchskünstler, von denen Manuel berichtete, dass sie nach einer Sitzung ihre Modells vögelten.
Erschrocken stellte ich fest, wie jung er war; blutjung erschien er mir. Doch die gewandten Bewegungen seiner Hände, sein anmutiges Mienenspiel zeigten mir, wie erfahren er die Konturen seines Aktmodells in Striche auf seinem Zeichenblatt übertrug.
Vor ihm auf einem Sofa räkelte sich eine nackte Frau, die ihre Hände immer wieder durch den dichten Busch ihrer Schamhaare strich. Ihre Augen hielt sie geschlossen. Ab und zu hörte ich ihr leises Seufzen vermischt mit einem lustvollen Stöhnen. Ich fragte mich, wie der junge Mann sich bei diesem Anblick auf seine Zeichenkünste konzentrieren konnte.
Kaum hatte er uns erblickt, hielt er inne und schien zu überlegen, ob er seine Arbeit fortsetzen sollte.
Cosimas Zwiespalt
13 17-27 Minuten 0 Kommentare
Cosimas Zwiespalt
Zugriffe gesamt: 1389
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.