Dämmerung

9 2-5 Minuten 0 Kommentare
Dämmerung

Dämmerung

Michael Jordan

Ich neigte meinen Kopf nach oben, schaute zum wunderschönen Himmel hinauf und dann wieder zum Meer hinab, verfolgte mit meinem Blick die letzten Sonnenstrahlen, die von den Wellenbewegungen des Meeres glitzernd reflektiert wurden.
Und wieder nach oben, zum Zauber dieses weiten Farbbandes, das die wenigen noch sichtbaren Wolken von tiefem Orange bis in ein dunkles Rot tauchten.
So sehr war ich in meinen Gedanken verloren, dass ich erst spät den Druck in meinem Hals spürte.
Den Durst, der nun schon meine Zunge am Gaumen kleben ließ.
Doch ich wollte diesen wunderschönen Moment nicht verlieren, lachte in mich hinein und schüttelte den Gedanken von mir ab, um die noch wenigen Augenblicke zu genießen. Jeder Einzelne davon einzigartig, jedoch schien es mir, als ob gerade dieser Sonnenuntergang eine Art von Abschiedsgruß dieses rotglühenden Feuerballs wäre, nur für mich, bevor er langsam am Horizont verschwinden würde.
Das Glitzern und Funkeln des Wassers, das Spiel der Farben am Himmel - ein letztes Geschenk vor der hereinbrechenden Nacht, um mich an meinen Erinnerungen zu erfreuen. Das leichte Bewegen der Wellen erinnerte mich an das riesige Feld, vor dem ich als Kind einst ehrfurchtsvoll stand.

Ich dachte an das Hin und Her wiegen tausender bunter Blumen, die sich im Wind bewegten und an meine Unbekümmertheit, mich einfach nur darüber zu freuen.
Die Erinnerung, wie es sich wohl heute anfühlen würde: das Kitzeln und Stechen unter meinen Fußsohlen.
In meinen Gedanken ließ mich meine Ausgelassenheit spontan Schuhe und Strümpfe ausziehen und zunächst ein, zwei vorsichtige Schritte in das Feld hineinzuwagen.
Ich lief weiter in dieses Feld hinein, genoss es, schneller und schneller zu werden, so weit, bis ich nur noch dieses Feld um mich herum sehen konnte.
Auch jetzt spüre ich das Gefühl der Freude, die ich einst empfand, als ich mich einfach fallen ließ, die Arme und Beine weit von mir streckte und in den Himmel schaute. Wunderschön war diese Zeit, unbekümmert, nicht an ein Morgen denkend.
Mir fielen alte, liebe Freunde ein, habe kurz ihre Gesichter vor mir, schaue aber wieder weiter auf das Meer und verfolge das beständige Auf und Ab der Wellen, welches mich langsam schläfrig macht.
spüre, wie meine Augenlider schwerer und schwerer werden, sehe nun fast verschwommen das Spiel der Wellen und beginne in Gedanken, dies wunderbare Bild mit der Hand nachzufahren – warm und weich wie ein Frauenkörper.

Behutsam lasse ich meine Hand über Ihre Stirn und Augenlider gleiten, umfahre Ihre zarten Wangen, bewege meinen Finger um küssende Lippen. Verharre einen Moment - einen Moment des Spiels Ihrer Zunge, spüre das Verlangen in Ihr, das Vertrauen.
Ich taste Ihren Körper weiter und weiter hinab bis an die Innenseiten Ihrer Schenkel, finde ob Ihrer Erregung keinen Halt. Einem Innehalten gleichkommend, die Gier Ihres Körpers zu stillen, Ihr Verlangen in Erfüllung zu wandeln.
Ihre Glut meidend, die Lust ins Unendliche steigernd, streichle ich mit festem Druck Ihre Lenden, versinke in Ihrem Nabel, um schließlich zu Ihrem Rücken zu gelangen.
Ganz sacht gleiten meine Hände Ihren Rücken entlang, umspielen die zuckenden Muskeln, massieren die weiche, pulsierende Haut zwischen den Schulterblättern.
Ich lege meinen anderen Arm um Sie, ziehe Sie fest an mich heran.
Meine Lippen liebkosen Ihre Schläfen, Ihren Hals, den Nasenrücken, bis Sie den Kopf wendet und sich Ihr geöffneter Mund fordernd auf meinen presst. Ihre Zunge dringt tief in mich ein, und der Druck der Lippen wird stärker und stärker.
Ich entziehe mich Ihrem Fordern, küsse Ihren Körper, sauge an Ihren Brüsten und schmecke Ihren salzigen Schweiß.

Salz! Der Gedanke seines Geschmacks reißt meinen mehr und mehr verwirrten Geist zurück in die Gegenwart. Wo sich Traum und Realität zusehends vermischen, mein treibender Körper sich wehrt und instinktiv um Aufschub bittet.
Mein Durst ist unerträglich geworden.
Die Sonne ist versunken, wird mir bald kein Leben mehr spenden; die Schönheit einer beginnenden Nacht kündet mir nur den Untergang.
Nun ist es schon so dunkel, dass ich das Wasser nicht mehr sehen kann, das mir immer unaufhörlicher gegen das Gesicht schlägt.
Ich flehe laut um einen kleinen Aufschub, doch bin mit meinen Kräften am Ende, habe einen Krampf in der Wade und weiß nicht, ob es vielleicht der letzte ist. Mit meinen schwammigen Händen versuche ich noch ein Mal an meine Zehen zu greifen, um das Bein durchstrecken zu können. Doch es will mir nicht gelingen.
Kann den Mund nicht mehr geschlossen halten und bin nun gezwungen, mit meinen Atemzügen das Wasser in mich aufzunehmen. Ich fange an zu husten, es auszuspucken und den nächsten ankommenden Schwall wieder zu schlucken. Spüre das hysterische Zucken, das letzte Aufbäumen meines Körpers, und ich stelle mir vor, ein grelles Licht in meinem Kopf zu sehen.
Die Augen schließend, öffnen sich meine Arme ein letztes Mal.
Meine Zeit war gekommen.
Bilder von unsagbarer Schönheit erfüllen mich, während meine Bewegungen langsamer und langsamer werden.
Ich schüttle den Kopf, gleichsam den Traum von mir abwerfend, der Realität wieder gewahr werdend, die mich nun endgültig eingeholt hat, um in einem anderen, endlosen, wunderbaren Traum zu münden.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 2454

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben