Daniel und die Gräfin

79 5-9 Minuten 0 Kommentare
Daniel und die Gräfin

Daniel und die Gräfin

Sven Solge

Nach einiger Zeit drückte Maren seinen Finger und löste sich dann von ihm.
„Ich glaube ich sollte jetzt besser gehen!“
An der Tür drehte sie sich noch mal um und sagte leise: „Es war ein schönes Gefühl, aber es geht nicht!“
Dann schloss sie die Tür, etwas lauter, als es wohl ihre Absicht gewesen war!

-*-

Zwei Tage später bekam Daniel zwei Stents. Was zu seiner Überraschung schmerzhafter war als er angenommen hatte.
Ob es wohl daran lag, dass Maren nicht dabei war und der Oberarzt den Eingriff selbst vornahm?
Doch sie besuchte ihn am Nachmittag und erklärte ihm, warum es so schmerzhaft war: „Es ist wie ein kleiner Herzinfarkt, wenn der Ballon, der den Stent an die Gefäßwand drückt, mit Kontrastmittel aufgeblasen wird. Für einen kurzen Moment wird die Durchblutung der Herzkranzgefäße unterbrochen.“
Während sie das erzählte, schaute sie ihn kaum an, sondern knetete ununterbrochen ihre Finger.
Daniel verfluchte innerlich Morena, der in seinem Bett lag und las!
Als wenn Morena seine Gedanken erraten hätte, erhob er sich plötzlich und ging ins Bad.
Daniel hatte sein Kopfteil elektrisch hochgefahren, als Maren das Zimmer betreten hatte und saß nun fasst aufrecht in seinem Bett.
Kaum hörten sie wie Morena die Badtür verriegelte, bewegten sie sich wie unter einem inneren Zwang aufeinander zu und als sich ihre Lippen berührten, stöhnten sie Beide gleichzeitig auf. Die ganze Sehnsucht, die sich in den letzten Tagen aufgebaut hatte, entlud sich in diesem Kuss.
Erst als Morena die Tür wieder entriegelte lösten sie sich etwas atemlos voneinander.
Maren fing sich als erstes: „Ich schreibe ihnen noch ein Medikament auf, das sollten sie sich von ihrer Hausärztin verschreiben lassen!“
Sie setzte sich an den kleinen Tisch und schrieb etwas auf einen Zettel. Dann kam sie an Daniels Bett und zeigte ihm was sie geschrieben:

„Bitte schreibe mir heute Abend ab 21:00 Uhr, ich habe Nachtdienst.
Auf keinen Fall anrufen!
Es war sehr schön Dich zu küssen, ich möchte mehr davon!“
Es folgte noch ihre Handynummer

Maren

Besonders freute sich Daniel über das kleine Herz, das sie hinter ihren Namen gezeichnet hatte.
„Das werde ich tun! Meine Ärztin wird mir das sicherlich verschreiben!“, sagte er. Maren unterhielt sich noch kurz mit Morena über seinen Gesundheitszustand und verließ dann das Zimmer. An der Tür, so dass Morena sie nicht sehen konnte, drehte sie sich noch mal um und warf Daniel noch ein Luftküsschen zu.
Völlig verwirrt ließ Daniel sein Kopfteil wieder runter und schloss die Augen. Mit allem hatte er gerechnet, aber dass diese schöne Frau seine Gefühle erwidern würde, dass nicht!
„Die mag dich!“, hörte er plötzlich Morena sagen.
„Was meinst du?“, fragte Daniel, weil er glaubte sich verhört zu haben.
„Amore!“ flötete Morena, „Das sieht doch ein Blinder!“
„Du spinnst!“
„Die hat doch nur Augen für dich!“
Daniel ließ das unerwähnt, zu genau wusste er wie es ihm selbst erging.
Die Zeit bis 21 Uhr dehnte sich wie Kaugummi. Längst hatte er Marens Nummer abgespeichert und begonnen ihr zu schreiben, doch was schreibt man einer Frau, die man kaum kennt und man sich in gewisser Weise in einem Abhängigkeitsverhältnis befand?
Doch dann entschloss er sich das niederzuschreiben, was er empfand:

Liebe Maren,

vom ersten Moment an,
als Du mich vor dem Eingriff berührt und
mir so beruhigend zugesprochen hast,
steht mein Herz in Flammen!
Danke, dass ich Dir schreiben darf!
Ich weiß, dass es für Dich gefährlich sein kann,
mit einem Patienten etwas anzufangen,
aber Gefühle lassen sich nicht immer so steuern, wie man möchte.
Mein Alter hast Du sicher schon in meiner Akte gefunden und
dass ich geschieden bin, steht da ja auch drin.
Nur über Dich weiß ich so rein gar nichts.
Vom Namen her könntest Du eine Gräfin oder Baronin sein?
Wobei mich das etwas ängstigen würde!?
Aber wie ich Dich einschätze, bedeutet Dir so etwas nicht so viel.
Unser Kuss war unbeschreiblich schön und unerwartet,
ich möchte auch mehr davon,
kann es kaum erwarten, Dich im Arm zu haben!
Hoffentlich bald!

Daniel

Um punkt 21:00 Uhr schickte er die WhatsApp ab

-*-

Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis von Maren eine Antwort kam.

Lieber Daniel,

kennst Du den Raum mit dem Ultraschallgerät?
Schräg gegenüber von Deinem Zimmer!
Kannst Du in einer viertel Stunde dort sein?
Achte bitte darauf, dass Dich keiner sieht!

Maren

Natürlich kannte er den Raum, war es doch die Kammer, wo er sich am ersten Tag umziehen musste.
Daniel schaut auf seine Uhr, wartete noch zehn Minuten, nahm seinen Becher und tat so, als wenn er sich noch einen Tee aus dem Aufenthaltsraum holen wollte.
Die Tür zur Kammer war nur angelehnt, aber Daniel holte sich erst den Tee und als er zurückkam, stand die Tür einen Spalt weiter auf.
Er blickte sich noch mal um und schob dann die Tür weiter auf.
Es war schummrig im Raum, doch er sah Maren sofort. Sie blickte ihn mit ängstlichen Augen an und nachdem Daniel seinen Becher abgestellt hatte, fielen sie sich wortlos in die Arme.
Marens Lippen zitterten etwas, als er seinen Mund auf ihren presste. Er zog sie an sich und nahm die Konturen ihres schlanken Körpers in sich auf. Ihre schmale Taille, die er schon in ihrem weißen Kittel bewundert hatte, erregte ihn noch mehr. Er spürte ihre harten Knospen, an seiner Brust, auch ein Zeichen ihrer Erregung.
Während ihre Zungen einen kleinen Kampf ausfochten, waren ihre Hände auf der Suche. Leise keuchte Maren in seinen Mund, als er eine Hand auf ihre rechte Brust legte und sanft drückte.
Auf einmal löste sich Maren von ihm.
„Tut mir leid, aber wir müssen vorsichtig sein! Können wir uns sehen, wenn du wieder zuhause bist?“
„Ja, natürlich!“ Daniel streichelte ihre Wange. „Schreibst du mir gleich noch etwas von dir? Ich würde gerne wissen, ob du verheiratet bist?“
Sie küssten sich noch einmal und dann verließ Maren den Raum, nachdem sie vorsichtig in den Flur geschaut hatte.
Gerade als Daniel rausgehen wollte öffnete sich die Tür von seinem Zimmer und Morena kam mit seiner Wasserflasche heraus und holte sich von dem Wasserspender, der sich direkt neben dem Raum an der Wand befand, in dem sich Daniel versteckt hielt.
Daniel hoffte, dass Morena ihn nicht gesehen hatte, dann käme er in Erklärungsnot!
Er hörte, wie sein Zimmernachbar seine Flasche füllte und wieder zurück ins Zimmer ging. Wieder linste er in den Flur und als er ihn überblicken konnte und leer vorfand, wollte er gerade raustreten, als ihm einfiel, dass er ja noch seinen Becher mit Tee mitnehmen müsste. Also noch mal zurück, erneut den Flur absuchen und schnell auf die andere Seite.
Gerade noch rechtzeitig erreichte er die Tür, als weiter oben die Nachtschwester aus dem Schwesternzimmer trat.
„Wo warst du denn so lange?“, fragte Morena.
„Ach, ich habe in der Zeitschrift, die da auf dem Tisch lag, einen Artikel gelesen, der mich interessierte!“
Daniel legte sich hin und als er auf sein Handy schaute, war schon eine Nachricht von Maren da.

Lieber Daniel,

danke, dass Du so verständnisvoll bist, ich dürfte das wirklich nicht machen!
Aber dieses Kribbeln im Bauch habe ich schon so lange nicht mehr gespürt,
dass ich nicht anders kann!
Aber das von eben dürfen wir nicht wiederholen!
Sei mir bitte deswegen nicht böse, wir müssen nur Geduld haben!
Noch etwas zu meiner Person:
Ich bin sieben Jahre jünger als Du,
bin noch verheiratet, lebe aber schon seit vier Jahren von meinem Mann getrennt,
weil eine Scheidung für meinen Noch-Ehemann große finanzielle Probleme bedeuten würde.
Nein, ich bin weder eine Gräfin noch eine Baronin, erzähle ich Dir später.
Ich mag Dich sehr gerne, wundere mich über mich selbst, wie sehr Du mir Herzklopfen bereitest!
Es wäre schön, wenn wir uns nach Deiner Entlassung mal treffen könnten!

Maren

Daniel las die Nachricht mehrmals, konnte es immer noch nicht fassen, dass diese schöne Frau es ernst meinte und sich mit ihm treffen wollte.
Aber ihre Erregung im Ultraschall Raum hatte er deutlich gespürt und auch ihr leises Stöhnen, als er ihre Brust gedrückt hatte, war eindeutig!
Daniel nippte an seinem inzwischen kaltem Früchtetee, bevor er ihr antwortete.

Liebe Maren,

Du würdest mich sehr glücklich machen, wenn wir uns nach meiner Entlassung treffen könnten!
Ich lebe nun schon fast 14 Jahre allein und hatte mir nach meiner Scheidung geschworen, nie wieder eine Frau so dicht an mich ran zu lassen. Doch Du hast bei mir etwas in Gang gesetzt, was ich schon verloren glaubte.
Deine sanften Berührungen, der Duft Deiner Haut und dann unser Kuss, haben mich verzaubert.
Als ich Dich im Arm hielt und die Konturen Deines schlanken Körpers fühlte, musste ich mich sehr beherrschen, um nicht meiner Lust nachzugeben. Ich spürte Deine Erregung unter meiner Hand und auch Dein leises Stöhnen hat mir gezeigt, dass es Dir genauso geht!
Ich will mehr davon!

Daniel

Er legte das Handy auf den Nachtschrank und lehnte sich zurück. Seine Gedanken spielten verrückt. Er malte sich aus, wie ihr erstes Treffen verlaufen würde. Ob sie zu ihm in die Wohnung kommen würde oder sie es lieber in einem Hotel, auf neutralen Boden hätte? Er konnte sich nicht vorstellen, dass ihr erstes Treffen in ihrer Wohnung stattfinden würde, allerdings fühlte sie sich dort am sichersten!
Sie sollte die Entscheidung treffen, entschied sich Daniel.

-*-

Zwei Tage später, die Schwester überreichte ihm den vorläufigen Entlassungsbericht und meinte: „Wir sehen uns ja bald wieder, wenn sie ihre neue Aortenklappe bekommen!“ Sie lachte und fügte dann noch hinzu: „Wir freuen uns auf sie ganz besonders!“ Dabei kniff sie ein Auge verschwörerisch zu.
Was sie damit wohl meinte?
Hatte Maren etwas verlauten lassen, oder freuten sie sich, weil er einen nicht unerheblichen Betrag für die Kaffeekasse da gelassen hatte.
Maren sah er nicht mehr, aber sie hatten ja regen Handykontakt und beim letzten Mal hatten sie auch ihre Adressen ausgetauscht.
Als er seine Wohnung betrat, wurde ihm auf einmal bewusst, wie verlassen er eigentlich war.
Zuerst alle Fenster öffnen, um die abgestandene Luft rauszulassen. Dann die Blumen begießen, die schon ihre Köpfe hängen ließen.
Nachdem er noch seine schmutzige Wäsche in die Waschmaschine gesteckt hatte, entkleidete er sich und duschte erst mal ausgiebig. Im Krankenhaus war es immer eine aufwändige Prozedur gewesen, da immer die Kontakte der Monitorüberwachung auf der Brust klebten.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 5018

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben