Daria ganz privat

Geschichten vom Anfang der Träume

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Daria ganz privat

Daria ganz privat

Stayhungry

Frauen 10 Uhr morgens - so hieß in K. 's Jugend ein sympathischer Bildband mit ungezwungenen, nicht gestylten Akten. Und genauso lag Carolin nun nackt vor ihm im Licht der Morgensonne an diesem Sonntag Morgen. Sie hatte sich abgedeckt, die Hitze dieses Sommers war schon jetzt unerträglich. Über ihren Rücken verlief entlang der Wirbelsäule ein Tattoo mit einer Reihe kleiner chinesischer Schriftzeichen bis hinunter zur Pofalte, die ihre prächtigen Backen teilte. Er hatte schon wieder Lust auf sie, aber durfte er sie gleich mit Zudringlichkeit wecken? Gewiss, letzte Nacht hatte sie ihm wenig Einhalt geboten, aber galt dies bei ihr uneingeschränkt oder nur in jenem besonderen Rahmen?

K. wurde melancholisch. Jetzt, als er sie an diesem traumhaften Morgen vollkommen unbemerkt in aller Ruhe betrachten konnte, wurde ihm bewusst, wie jung sie war, wesentlich jünger als er. Das hatte ihrer Begegnung bisher nicht geschadet, aber die bewegte sich in einem Raum außerhalb ihrer alltäglichen Leben und folgte anderen Gesetzen. Daria hieß sie in dieser anderen Welt, doch nun lag sie erstmals in seinem Bett und ihr friedlicher Schlaf in dieser Idylle weckte bisher fremde, zart romantische Gefühle in ihm. Sie wurde unruhig, blinzelte, erkannte das Schlafzimmer als fremd und drehte sich um. Als ihr Blick auf ihn traf, stutzte sie kurz, überlegte und lächelte dann. Guten Morgen, flüsterte sie schlaftrunken und lächelte ihm verkniffen zu. K. wusste gar nicht, wie er sie nennen sollte. Als Carolin hatte er sie noch nie angesprochen, nur als Frau Hartmann. Geduzt hatte er sie nur als Daria. Er entschied sich, dabei zu bleiben. Im Zorn konnte Daria ja durchaus unangenehm werden.

*

Daria hatte K. 's Buchung für eine ganze Nacht angenommen und die weite Fahrt zu Agnes' Haus überwiegend dösend neben ihm verbracht. Eine gelegentliche Unterhaltung verlief, anders als bei ihrer letzten Begegnung, konfliktfrei. Am Ziel angekommen bekundete sie in knappen Worten ihren Respekt für Ambiente und Flair dieser besonderen Begegnungsstätte, ohne eine Spur von Stutenbissigkeit im Hinblick auf ihr eigenes Studio. K. quittierte die Rechnung und geleitete sie zu dem reservierten Appartement, von dem aus sie ihre Unternehmungen im Haus in Angriff nehmen könnten. K. wäre am liebsten hinter ihr den Gang entlang gegangen, doch noch war er die höfliche Abendbegleitung, als den man ihn an ihrer Seite deuten konnte. Sie sah atemberaubend aus in kleinem Schwarzen und den von ihr schon gewohnten Stilettos. Am Ziel angekommen, legte sie unverzüglich ab, bis auf die Schuhe natürlich, Unterwäsche trug sie ohnehin nicht, und er sah sie zum ersten Mal gänzlich nackt. Traumhaft! beantwortete er Ihren selbstbewussten, fragenden Blick. Sie nahm es stumm mit dem Anflug eines Lächelns als Selbstverständlichkeit, hatte es wohl schon unzählige Male gehört. Er selbst legte seine engen, seitlich geschnürten Lederbeinkleider an mit offenem Schritt und Po sowie das genietete Ledergeschirr, das Penis und Hoden umfasst, dazu die Bikerstiefel.

Daria stellte sich in den weitläufigen offenen Duschbereich, stützte sich gegen die Kacheln und pinkelte mit gerecktem Hintern und weit geöffneten Schenkeln. Sie traf den Abfluss ganz gut. Leck mich! befahl sie ruhig. Das fing ja gut an, dachte sich K. im wahrsten Sinne des Wortes. Ihre Befehle entsprachen an diesem Abend schon sehr viel mehr seinen Wünschen als bei ihrer letzten Zusammenkunft. Hingebungsvoll, gierig widmete sein Mund sich ihren Lippen und ihrer Rosette. Darias Ziel war es aber noch nicht, schon jetzt echte Erregung anzustreben. Es ging ihr nur um einen rituellen Dienst und eine kleine, anregende Einstimmung. Dann schob sie ihn weg, entnahm ihrem Handtäschchen einen Edelstahlplug mittlerer Größe und drückte ihn sich stöhnend in den After. Hier ist gesperrt! erklärte sie mit strengen Blick. Höflich, aber bestimmt bat sie ihn, sich zum Ort des Geschehens zu begeben. Vollkommen nackt schritt sie an K. 's Seite den Gang entlang zum Fundus und erntete die ersten interessierten Blicke, denen sie vollkommen ungerührt begegnete. K. mit seinem offenen Schritt war erkennbar schon bereit zu jeglichen weiteren Taten. Wie hätte er angesichts ihres betörenden Geschmacks und ihres selbstbewussten Auftretens auch nicht erregt sein können?

Die von Agnes' niemals lächelnder Bediensteter Petra angebotene Beratung im Fundus lehnte sie ab und griff zielsicher jene Accessoires, die für diese Nacht als angemessene Ausstattung erachtete. Sie legte zwar das klassische Lederhalsband mit Metallringen und die entsprechenden Manschetten an Hand- und Fußgelenken sowie mit Kettchen verbundene Klammern für Nippel und Klitoris an, aber im Moment wirkte sie alles andere als devot. Sie hatte die Reitgerte ergriffen und führte sie langsam an sein Geschlecht. Die Lasche streichelte noch sanft über seine Eichel, doch ihr kraftvoller Blick offenbarte ihre innere Spannung, ihre Erregung und bewusst gezähmte Aggressivität. Jeden Moment könnte sie ihn züchtigen. Heiß pochte sein Puls in Brust, Hals und Schläfen und sein Glied richtete sich auf, sehnsüchtig nach diesem kraftvollen Gefühl des Schmerzes, der Lust am Überschreiten der Grenze. Doch er empfand auch echte Angst, jene, die nicht einfach erregend war. Daria hatte ihm bereits sehr wehgetan, doch da war sie außer sich gewesen. Jetzt spielte sie genüsslich mit der Aura ihrer Macht, ihrem professionellen Können, Schmerzen zuzufügen. Sie konnte die Domina nicht ablegen, auch wenn sie heute hier ganz privat auftreten sollte.

Sie führte die Gerte unterhalb des Gliedschaftes zu seinen Hoden und rieb den Stock langsam zwischen ihnen hin und her. Dann ging sie langsam in die Hocke, veränderte so die Neigung der Gerte und drückte sie an Damm und Anus. Ja, ihre Schläge könnten ihm durchaus gefallen, aber auf Rücken und Gesäß, nicht an seinem empfindlichen Gemächt. Auch ihr würde er gerne Striemen auf Schultern, Lenden und Gluteus zaubern. Niemals aber würde er ihre Brüste, ihre Labien oder gar ihre Perle misshandeln. Viel schöner fand er ihre Lust an den Klammern, die mit einer schmalen Kette verbunden Nippel und Klitoris gefällig zwickten. Ihre Augen duellierten sich, sie wollte ihn erregen. Ein leicht triumphierendes Lächeln quittierte ihren Erfolg, doch konnte sie sich nicht zum Handeln entschließen. Sie hatte nur die Aura geschaffen, der Vollzug reizte sie heute nicht. Hätte sie sich im wortlosen Ringen für die aktive Rolle im Spiel entschieden, entginge ihr, was sie für heute gewählt hatte. K. nahm zwei dünne, meterlange Ketten aus dem Regal und trat an sie heran. Er roch ihren Atem, ihr Haar, ihren Schweiß, ihre Feuchte. Heute werde ich dich führen und dir gebieten. An nichts und niemandem werde ich Interesse haben, nur an deinem Fühlen, deiner Erregung und deiner Ekstase. Daria schien ungerührt. Schön gesprochen, spottete sie flüsternd, mein Gebieter. Erzählst du das jedem deiner Dates hier? Ein wenig gekränkt, aber nicht überrascht von ihrer respektlosen Antwort, stellte er richtig, dass es wohl nur Blind Dates oder Begegnungen mit der Szene Fremden wären. Da sei es schon wichtig zu vermitteln, dass er kein böser Bube ist. Ja, foppte sie ihn fauchend, Sklaven wollen es immer recht machen und Gentlemen sein, nicht so ein kleiner Teufel wie ich! K. zuckte die Schultern. Wo sie recht hatte, hatte sie recht.

*

K. 's Blind Dates in Agnes Haus waren viel besser, als Daria gelten lassen wollte, denn in ihnen folgte niemand einer Festlegung. Lange hatte er sich, als er unendlicher Anspannung nichts mehr entgegenzusetzen hatte, danach gesehnt, dass ihm jemand den Schmerz seiner Seele aus dem Rücken peitscht, und letztlich hatte ihn Tina nach ihrem Tod damit zu Agnes geführt. Es verband sie beide eine schmerzerfüllte Trauer um den Verlust ihrer beider großen Liebe. Agnes wusste viel besser damit umzugehen als er, bei ihr war er geborgen, wenn sie den Schmerz mit dem Schmerz bekämpfte. Langsam führte sie ihn weg von ihr zurück ins Leben und empfahl ihn einfühlsam Frauen, die für ihre Grenzüberschreitung einen Mann suchten, dem sie bedingungslos vertrauen konnten. So griff er zunehmend öfter selbst zur Reitgerte, band Damen mit Tüchern, Seilen, Leder und Eisen. Er hatte nicht die Seiten gewechselt und fand auch keine eigene Befriedigung in Schmerz und Ausgeliefertsein der Frauen. Aber auf Grund seiner Vergangenheit wusste er um die tiefe Sehnsucht, ganz umfangen zu sein, den verzweifelten Wunsch, tiefe Gefühle zu empfinden, sich ganz hinzugeben und den anderen allein dafür verantwortlich sein zu lassen, dass dies gelinge und Grenzen überschritten wurden tief hinein in den Abgrund des eigenen Ich. Er konnte sich hineinfühlen in jede Nuance des Fühlens, der Gratwanderung zwischen ergebenem Dienst und Übergriffigkeit. Sein Wunsch zu sehen und ihr Wunsch sich ganz zu offenbaren ohne jede Scham, ihr Wunsch sich selbst zu fühlen mit Leib und Seele und nichts mehr zu denken, nur zu spüren und seine Sehnsucht, dies zu schenken waren eins. Die eigene Seele und Kreativität nicht mehr als Belastung intimer Begegnungen, sondern als deren Bereicherung und mit der zunehmend verfeinerten Sensibilität als deren Krönung erfahren zu dürfen, waren Weg und Ziel in einem. Hatte sich eine Dame erst in seine Hände begeben, so entschied sich schnell, ob sie diesem feinfühligen vielschichtigen Spiel Erfüllung fand oder ernsthaft Schmerz oder gar Erniedrigung suchte. Letzteres geschah selten und dann ward er gewogen und zu leicht befunden. Die meisten aber kamen wieder, um sich immer tiefer auf ihn einzulassen, gerade jene, die ihn anfangs gar nicht beachtet hatten, weil er so wenig dominant und selbstbewusst auftrat. Mit dem Erfolg dieser Erfahrungen lud er selbst gelegentlich den Reiz des Besonderen suchende Damen ein in Agnes' Haus. In dieser Hinsicht wurde er geliebt, auch wenn alles sich begrenzte auf den Ausbruch aus dem Alltag. Agnes hingegen wurde mit dem Rückzug der Trauer um Tina zu einer lieben Freundin, die aber seine intime Nähe nicht mehr suchte. So sehr K. noch eine unerfüllbare Sehnsucht nach ihr empfand, so wenig hatte er den Mut aussichtloses Werben zu wagen und sich ihr aufzudrängen.
Daria bewegte sich außer Konkurrenz. Es war schon ein Gewinn, dass sie überhaupt bereit gewesen war; sich buchen lassen. Dass sie beeindruckt wäre, durfte er nicht erwarten.

*

Daria saß in ihrer Ganzkörperfessel anmutig an der Bar. K. bestellte Sekt und stieß mit ihr an auf diese Nacht und die bevorstehenden Freuden. Daria brauchte die beruhigende und enthemmende Wirkung des Alkohols sicherlich nicht, aber er schien ihr zu munden. Auf in den Kampf, mein Gebieter! Wohin geht's? lachte sie und stieg vom Hocker. Petra wies den Weg und K. geleitete Daria als Gefangene nach eigenem Willen durch die weitläufige Lounge. Er brauchte keine Leine, sie blieb dicht an seiner Seite. Die Fessel war noch weit gefasst, so dass sie elegant schreiten konnte, begleitet vom metallischen Reiben der Ketten in den Führungsösen. Manche der Anwesenden nahmen nur beiläufig Notiz von dieser Schönheit in Fesseln, mit denen sie zu erkennen gab, wonach sie sich sehnte, andere starten sie begehrend bis gierig an. So manches Glied reckte sich in offenen Slips und Ledergeschirren. Fand sie einen Mann ansprechend, hielt sie vor ihm inne und nickte ihm zu, dabei waren welche, die sich anfangs gar nicht so angeregt gegeben hatten. Sie wählte nicht nach Jugend oder vordergründiger Attraktivität, im Gegenteil. Zwei wilde, kraftstrotzende Kerle, ein ältlicher Bauchträger und drei schüchterne Spanner waren es, aber jeder hatte einen tiefen, nachdenklichen Blick.

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