Das Abenteuer eines Aussteigers

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Das Abenteuer eines Aussteigers

Das Abenteuer eines Aussteigers

Jürgen Lill

Ich war nirgendwo zu Hause, und überall gleichzeitig.
Das Bett in der Pension, in der ich dann übernachtete, roch nach Schweiß und billigem Parfüm, die Matratze knarrte bei jeder Bewegung. Kakerlaken huschten auf dem Fußboden umher. Durch die dünnen Wände hörte ich das Stöhnen eines Paares, das Lachen von Betrunkenen, das endlose Hupen der Straße. Ich schlief ein mit dem Geräusch von Regen auf dem Blechdach und erwachte mit einem stechenden Kopfschmerz – aber zum ersten Mal seit Jahren ohne Wecker, ohne Pflicht, ohne den erstickenden Druck der Erwartungen.
Am nächsten Morgen kaufte ich einen gebrauchten Rucksack, ein Messer mit abgenutzter Klinge und eine Decke, die nach Schaf roch. Der Verkäufer, ein alter Mann mit kariertem Hemd, musterte mich lange, bevor er mir eine Flasche selbstgebrannten Schnaps zuschob.
„Para el frío“, murmelte er. Ich nickte, obwohl ich nicht verstand. Draußen packte ich meine neuen Habseligkeiten zusammen und spürte, wie etwas in mir losließ – die Angst, die Unsicherheit, die letzten Reste von Zögern.
Die Straße hinaus aus der Stadt war steil und staubig. Mit jedem Schritt wurde die Luft klarer, das Gedränge der Menschen dünner. Irgendwo hinter mir rief jemand etwas auf Spanisch, aber ich drehte mich nicht um. Vor mir lag nur noch das unbekannte Grün der Berge, das unendliche Blau des Himmels – und die lockende Stille der Wildnis, die mich rief wie ein lange vergessener Traum.
Die ersten Tage waren ein brutales Erwachen. Was ich aus Büchern über Knoten und Feuermachen wusste, erwies sich als wenig brauchbare Theorie, die mit schmerzhaft schwieligen Händen einherging. Das Messer war zu stumpf zum Holzspalten, die Decke war nachts klamm und kalt, der selbstgebrannte Schnaps brannte nur im Hals, nicht im Magen.

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