Das Abenteuer eines Aussteigers

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Das Abenteuer eines Aussteigers

Das Abenteuer eines Aussteigers

Jürgen Lill

Alles, was vorher gewesen war, mein ganzes bisheriges Leben, hatte keine Bedeutung mehr und hörte in dem, was ich gefunden hatte, auf zu existieren.
Irgendwann, als der Schweiß auf unseren Körpern zu trocknen begann und das Feuer nur noch ein müdes Glimmen war, rollten wir uns, ineinander verschlungen, zur Seite. Ihre Beine blieben um meine Hüften geschlungen, meine Arme hielten sie so fest, als könnte sie mir sonst wegfliegen. Der Geruch unserer Körper mischte sich mit dem Rauch, der Erde, dem Gras unter uns – ein Duft, der nach Zuhause roch. Wir schliefen so ein, noch immer verbunden, ohne Worte, ohne Fragen. Nur diese neue Sprache, die wir gerade erst begonnen hatten zu lernen.
Als die Sonne durch die Ritzen der Hütte kroch und goldene Streifen über unsere verschlungenen Körper malte, betrachtete ich sie lange, während sie noch friedlich schlief. Sie war so unfassbar schön, dass es mir schwerfiel, zu glauben, dass sie wirklich in meinen Armen lag und wir diese Nacht miteinander verbracht hatten. Dann öffnete auch sie die Augen und lächelte mich an – nicht wie eine Fremde, sondern wie jemand, der mich schon immer gekannt hatte.
„Allin paq'ariy, munaychallay“ flüsterte sie, ihre Stimme noch müde vom Schlaf und von der Nacht zuvor. Ich wiederholte die Worte, holprig, unbeholfen, und sie lachte – ein warmer Klang, der mich von innen heraus erwärmte.
„Guten Morgen, meine wunderschöne Geliebte“, übersetzte ich leise, so wie ich die Worte deutete, und sie nickte, bevor sie mich wieder küsste – sanft diesmal, aber mit derselben Intensität wie in der Nacht. Und als wir uns voneinander lösten und aufstanden, wusste ich, dass dies erst der Anfang war. Es gab keine Diskussion, kein Zögern – nur dieses stille Einverständnis zwischen uns. Ich blieb. Nicht für einen Tag, nicht für eine Woche. Ich blieb, weil etwas in mir, das jahrelang verschüttet gewesen war, endlich wieder atmen konnte. Und als sie aufstand, ihr nackter Körper im Morgenlicht gleißend, und mir die Hand reichte, folgte ich ihr – hinaus in den neuen Tag und in ein Leben, das wir gerade erst begannen, zusammen.

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