Jahrelang war der Wunsch vom Aussteigen nur ein Traum gewesen. Und um ehrlich zu sein, hatte ich selbst nicht daran geglaubt, jemals den Mut aufbringen zu können, diesen Traum wahr werden zu lassen.
Dann kam der Tag, an dem ich einfach aufstand, meine Kündigung auf den Schreibtisch des Schuldirektors legte und ohne ein weiteres Wort ging. Es gab keine große Abschiedsrede, keine Tränen, keine dramatische Szene. Ich hatte einfach keine Lust mehr, Kindern das Einmaleins beizubringen, während ich innerlich vor Langeweile und Unerfülltheit verrottete.
Die letzten Wochen in Deutschland waren seltsam emotionslos. Ich traf mich noch zweimal mit Freunden, aber die Gespräche waren hohl und voller unausgesprochener Fragen. Niemand verstand, warum ich einfach alles hinter mir lassen wollte. Und ich hatte keine Lust, es zu erklären. Als ich dann schließlich im Flieger nach La Paz saß und das letzte Mal deutschen Boden unter mir verschwinden sah, spürte ich zum ersten Mal seit Jahren so etwas wie Erleichterung. Kein Plan, keine Sicherheit – nur die Gewissheit, dass ich endlich frei war.
La Paz empfing mich mit einem betäubenden Wirrwarr aus Geräuschen, Gerüchen und Farben. Die dünne Höhenluft machte mich leicht benommen, während ich durch die überfüllten Straßen stolperte, vorbei an Frauen in bunten Röcken, die auf dem Boden hockten und Obst verkauften, an hustenden Bussen, die sich durch die schmalen Gassen quetschten. Kein einziger Gedanke daran, wo ich schlafen würde. Ich biss in eine unbekannte Frucht, die mir ein Straßenhändler für ein paar Münzen in die Hand gedrückt hatte – süß und säuerlich zugleich, der Saft lief mir über das Kinn. Irgendwo lachte jemand, und ich lachte zurück, ohne zu wissen warum. Die Sonne brannte mir auf den Nacken, der Schweiß mischte sich mit dem Staub der Stadt.
Das Abenteuer eines Aussteigers
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