Das hätte zuviele Fragen gegeben. Ich zog meine Kleidung an, öffnete vorsichtig die Zimmertür zum Flur und spähte raus. Alles war still, noch schien niemand zurück zu sein von der Feier. Ich umarmte Jamal zum Abschied, wir küssten uns leidenschaftlich und er hauchte mir ein leises „merci .. à mardi soir – danke, bis Dienstagabend“ – ins Ohr. Von da an sahen und vögelten wir regelmäßig. Mal bei ihm, mal bei mir. Es gab mehr Gelegenheiten, als wir dachten, und glücklicherweise schöpfte niemand vom übrigen Personal Verdacht. Und ich lernte eine Menge. In jeder Hinsicht. Einmal fragte ich ihn auch nach „mischmuschkilar“ – er lachte, erklärte mir, es sei Umgangssprache und bedeute „kein Problem“. Ich erklärte ihm meine erste Idee dazu und wir lachten viel.
Die Arbeit ging mir mit Jamal im Kopf viel leichter von der Hand, ich verbesserte meine Sprachkenntnisse, lernte ein paar arabische Worte. Allerdings würde ich das Vokabular nicht unter mehr als vier Augen nutzen können, was Jamal mir beibrachte. Und ich war sehr neugierig und lernbereit... Als nach Ablauf des Praktikums mein Abschied anstand, war ich einerseits traurig wegen Jamal, andererseits vollkommen glücklich über den Verlauf des Praktikums. Wir sprachen nicht über eine gemeinsame Zukunft, weil wir beide wussten, dass es keine außerhalb gab. Also beließen wir es dabei, im Wissen, dass das eine besondere Zeit war und wir sie beide in Erinnerung behalten würden. Für meine Rückkehr nach Deutschland nahm ich mir vor, meinen nächsten Partner nach den Erfahrungen mit Jamal auszutesten. Die Zeit mit langweiligen, auf den eigenen Vorteil bedachter Egotypen gehörte der Vergangenheit an. Als ich dann im Flugzeug saß, lächelte ich den Großteil der Reise vor mich hin und freute mich, ein neues Kapitel zu öffnen.
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