Das Auslandspraktikum

Das Werk - Teil 2

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Das Auslandspraktikum

Das Auslandspraktikum

Solveig Raun

Schaute aus dem Fenster in den Nachthimmel, sah ein Lichtermeer näher und näher kommen, erkannte schemenhaft eine mit Leuchtstreifen markierte Landebahn. Das also war die größte Stadt des Landes mit angeblich mehr als einer Million Einwohnern – das zumindest hatte ich im Vorbereitungsseminar gehört. Ich hörte ein lautes Klicken, dann ein Quietschen, als die Räder des Flugzeuges ausgefahren wurden. Es ging mittlerweile recht steil nach unten, mein Magen drückte und mir wurde flau. Kurz darauf setzten wir etwas unsanft auf der Landebahn auf, alles wackelte, ich stieß an meinen Sitznachbarn. Der hob lächelnd seine Hand und sagte etwas wie „mischmuschkilar“ – ich verstand nur „Muschi“ und errötete grinsend. Was auch immer das hieß – vermutlich war es Arabisch, denn zu meinem französischen Wortschatz gehörte das definitiv nicht. Als das Flugzeug endlich ganz zum Stehen gekommen war, drängten sich die anderen Passagiere in die Gänge, öffneten die Gepäckfächer über den Sitzen und es wurde laut. Wort- und Satzfetzen aus mindestens drei Sprachen wurden ausgetauscht, eilig die letzten Gegenstände von den Sitzen aufgesammelt und dann schob sich der Strom zum vorderen Ausgang des Flugzeuges. Ich quetschte mich mit meinem Rucksack irgendwo dazwischen, ließ mich nach vorne mittragen. An der Tür zum Ausstieg gab es nur eine steile Treppe direkt aufs Rollfeld. Das Flughafengebäude mit seinen beleuchteten Umrissen lag etwas weiter hinten. Sollten wir jetzt etwa laufen? Ich beobachtete die anderen Leute. Nein, die sammelten sich am Ende der Treppe in Grüppchen, hatten vielfach ihre Handys gezückt und telefonierten gesten- und stimmreich. Da kam plötzlich ein kleiner Bus angefahren, hupte und hielt vor der ersten Gruppe. Sofort stürmte diese hinein. Als die Tür kaum noch zuging, fuhr der Bus los Richtung Flughafengebäude.

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