Das Auslandspraktikum

Das Werk - Teil 2

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Das Auslandspraktikum

Das Auslandspraktikum

Solveig Raun

Das Ganze wiederholte sich mehrere Male, ich konnte im dritten Bus endlich mitfahren und folgte den anderen Reisenden zur Gepäckausgabe. Es war kurz nach 22 Uhr, als ich endlich meinen roten Koffer mit dem Anhänger erblickte und vom Transportband wuchtete. Vollkommen müde lief ich der Masse hinterher, die musste den Weg ja kennen. Durch eine Doppeltür trat ich in eine Ankunftshalle. Meine Augen suchten die Fremden ab, die hinter einer Art Absperrgitter warteten, viele mit Namensschildern. Da, endlich hatte jemand meinen Namen vor sich auf einem Papierzettel erhoben. Ich steuerte auf einen Mann zu, der arabisch aussah und mich im Herankommen von oben bis unten musterte. Mir lief es kalt den Rücken runter, was war das denn für ein Check? Er grinste mich an, begrüßte mich auf Französisch und nahm mir den Koffer ab. „Salut, je suis Jamal“, stellte er sich vor und zwinkerte mir zu. Er fasste mich mit der freien Hand am Unterarm an, um mich durch die wartende Menge zum Ausgang des Flughafens zu bugsieren. Seine Hand fühlte sich warm an am Arm, ich registrierte ein wohliges Prickeln an der Stelle. Verstohlen musterte ich ihn von der Seite. Gar nicht mal übel, gut gekleidet, trendige Frisur, recht muskulös gebaut, aber eher natürlich statt künstlich. Ich lächelte in mich hinein. Jamal bekam das nicht mit, er bugsierte mich zu einem Parkplatz, wo sein Wagen stand und öffnete mir die hintere Tür auf der Beifahrerseite. Was sollte das denn? Mein Gehirn war zu müde zum Protestieren und ich ließ mich erschöpft in das Sitzpolster fallen. Jamal verstaute meinen Koffer, stieg ein und startete den Motor. Er sprach mit mir auf Französisch, versuchte mir etwas zu erklären. Ich nickte mehrmals weg und als das Auto zum Stehen kam, erwachte ich schlaftrunken.

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