Das Auslandspraktikum

Das Werk - Teil 2

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Das Auslandspraktikum

Das Auslandspraktikum

Solveig Raun

Kurz hatte ich das Gefühl, einen Lufthauch zu spüren am Nacken. Ich schüttelte über mich selbst den Kopf, machte weiter mit dem Handtuch. Dann begann ich, mich wieder anzuziehen: ich zog den dunkelblauen Slip an, mit dem kleinen Glitzeranhänger vorne dran. Dann griff ich nach dem BH auf dem Bett, legte ihn um und hakte den Verschluss ein. Ein Träger hatte sich verdreht, ich korrigierte das und hatte wieder das Gefühl, einen Lufthauch zu spüren. Ich schaute zur Tür, alles war still. Du spinnst, sagte ich in die Stille und mehr zu mir selbst. Dann nahm ich das Kleid aus der Shoppingtasche, entfernte vorsichtig die Etiketten und zog es langsam über den Kopf. Der Stoff floss an mir herunter, bis er kurz unterhalb des Knies endete. Ich schlüpfte in meine Schuhe, legte den Schal um und drehte mich zu dem kleinen Tisch um, worauf ein kleiner Spiegel stand. Für den Bruchteil einer Sekunde sah ich im Spiegel eine schemenhafte Bewegung. Ich wirbelte herum und lief zur angelehnten Tür, zog sie weiter auf und nahm am Ende des Flures nur noch einen dunklen Schatten wahr. Wer war das? Mit klopfendem Herzen und etwas wackelig in den Schuhen ging ich hinterher. Der Flur führte zum Treppenhaus, ich hörte aber keine Schritte nach unten oder oben gehen. Langsam schlich ich mich an, presste mich am Ende des Flures an die Wand und lugte vorsichtig um die Ecke. Da stand er. Eindeutig. Ich erkannte seine dunkle Hose, die braunen Lederschuhe und das dunkelblaue Hemd, das er vorhin schon im Dienst getragen hatte. Jamal. So ein … mir fehlte das passende Wort. Einerseits war ich wütend, weil er mich heimlich beobachtet hatte. Wie lange hatte er dagestanden, schon bevor ich duschen ging? Oder zufällig erst nach dem Umziehen? Andererseits mischte sich Neugier dazu. Was er wohl gedacht hatte?

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