Aber auf dem Flur war es vorbei mit meiner Beherrschung. Ich heulte einfach drauflos, weil ich die Bilder meiner kleinen Schwester wieder vor Augen hatte.
Leonie sagte nichts, stellte sich einfach vor mich und nahm mich in ihre Arme, zog meinen Kopf an ihre Schulter und hielt mich fest, bis ich mich etwas beruhigt hatte. Der Moment war warm und voller Gefühl. Sie hatte ihre Hand in meinen Nacken gelegt und hielt geduldig aus, bis mein Schluchzen aufgehört hatte.
„Danke, das habe ich gebraucht.“, flüsterte ich ergriffen.
„Immer gern Max. Ich hab das gemerkt. Wahnsinn, wie du schon im Krankenzimmer mit dir gekämpft hast, aber tapfer geblieben bist.“
„Ich hatte meine kleine Schwester vor Augen. Das hat so weh getan.“
„Das muss so unfassbar schwer sein. Dass du das so kannst, echt irre.“
Langsam lösten wir uns voneinander. Nicht, ohne einen letzten Blick in die Augen des anderen zu erhaschen. Dann schickte ich ihr mit dem Handy meine Adresse und fuhr mit gemischten Gefühlen nach Hause.
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Ich stand in der Küche und bereitete die letzten Hähnchensticks als Fingerfood zu. Käsehäppchen und der Sekt für die Mädels stand auch schon kühl, als es klingelte. Ein kurzer Check auf der Küchenuhr bestätigte, dass Leo pünktlich wie ein Mauer war.
„Bianca-Schatz, gehst du bitte aufmachen? Das wird Leonie sein.“
Ich hörte, wie sie mit ihren Heels auf dem Flur zur Tür klapperte. Natürlich hatte sie sich in Schale geworfen. Bestimmt, um gleich das Revier abzustecken und klar zu machen, wer von ihnen die Schönste des Abends sein würde.
Unsere Haustür quietscht ein bisschen, deswegen wusste ich, dass Bianca die Tür geöffnet hatte. Nur war komisch, dass ich keine Stimmen hörte. Nichts von dem üblichen Geschnatter, wenn Frauen aufeinander treffen. Stattdessen absolute Ruhe, bis Bianca die Haustür etwas fester ins Schloss zurückfallen ließ. Schritte näherten sich der Küche.
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