Das Budget - Teil 1

75 36-56 Minuten 0 Kommentare
Das Budget - Teil 1

Das Budget - Teil 1

Gero Hard

Es war gut, dass er bei mir war, alleine hätte ich das nie geschafft. Ich bewunderte ihn dafür, wie er das hinbekommt.

Alles war hell und freundlich, mit hübschen Farben gestrichen, man hatte sich wirklich viel Mühe gegeben, um den

Kindern ein angenehmes Ambiente zu bieten. Zum Wohlfühlen, soweit das, wenn überhaupt, irgendwie möglich war.

Manche Kinder waren so schwach, dass sie nicht mehr selbst gehen konnten und mit einem Rollstuhl geschoben werden mussten, andere schoben einen Ständer mit einem Tropf neben sich her, einige hatten keine Haare mehr und waren fast stolz auf ihre Glatze. In dieser Umgebung waren sie damit keine besonderen Kinder und gehörten einfach zu dieser Gemeinschaft, als wäre es völlig normal. Hier zeigte kein Kind hämisch grinsend, oder gar verächtlich, mit dem gestreckten Zeigefinger auf ein anderes, oder machte sich über die ungesunde Gesichtsfarbe lustig. Hier waren sie in ihrer eigenen Welt zu einer eingeschworenen Gemeinschaft geworden. Und egal welches Schicksal sie zu ertragen hatten, keines dieser Kinder hatte sein Lachen verloren.

Mir, Leonie Teuber, zerriss es mein junges Frauenherz. Schlagartig war mein Mutterinstinkt geweckt worden. Mit gerade mal 23 Lenzen hatte ich meine Zukunft noch vor mir, zu der ganz sicher auch irgendwann Kinder gehören sollten. Wenigstens zwei, besser noch drei. Mein Freund und ich waren uns auch einig darüber. Allerdings hatte er zur Bedingung gemacht, erst mein Studium über die Bühne gebracht zu haben. War nun auch egal, hatte sich mit ihm sowieso erledigt. Wieso? Weil er ein Schwein war, deshalb.

Wie war ich dahin gekommen und was machte ich dort, in diesem Krankenhaus, mit Max an meiner Seite? Wer bin ich überhaupt?

Was die Schule anging, war ich eine Spätzünderin. Abi ein Jahr später als allgemein üblich, weil ich damals in der Orientierungsstufe eine Ehrenrunde drehen musste. Wie blöd, aber da war ich gerade 12, meine Brüste begannen zu wachsen, ich bekam Schamhaare und meine Periode. Von da an hatte ich täglich öfter Finger in meiner Muschi, als es volle Stunden auf der Uhr gab. Ok, das war übertrieben, aber eigentlich bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

Es war ein düsterer Abschnitt in meiner schulischen Karriere. Irgendwann machte es allerdings „klick“ in meinem Kopf und von da an ging’s bergauf. Das letzte Zeugnis war der sichtbare Beweis dafür, dass ich verstanden hatte, wie Lernen sich auszahlen konnte. Dann, ein Jahr als ‚Backpacker‘ und Nanny nach Australien. Ein Erlebnis, dass ich niemals bereuen würde.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 8987

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben