Meinen Haustürschlüssel und unseren billigen Freundschaftsring hatte ich in der Küche auf den Tisch gelegt. In der Wohnungstür drehte ich mich ein letztes Mal um, seufzte kurz und zog die Tür hinter mir zu.
Das Zuschnappen des Schlosses beendete ein Kapitel, dass ich in dieser Form niemals erwartet hatte. Die Verlobungspläne, die wir noch vor kurzem geschmiedet hatten, erschienen plötzlich lächerlich und heuchlerisch.
Die Jungs waren schon zum Haus meiner Eltern losgefahren und ich setzte mich auf die letzte Stufe unserer Treppe. Wie oft war ich sie hoch und runtergelaufen und nun war alles mit einem Schlag vorbei.
Ich zog mein Handy aus der Tasche und schickte alle Bilder und Videos auf das Handy von Bianca, deren Handynummer ich nur zu gut kannte. Kurz dachte ich daran, den Kontakt sofort zu löschen, war dann aber doch zu neugierig, ob sie sich auf das belastende Material noch melden würde. Löschte dann aber nur ihr Profilbild, auf dem sie mich bei jedem Klingeln zuckersüß anlächelte. Unglaublich, wie ich mich in ihr getäuscht hatte.
Meine Eltern hatten einen von außen zugängigen Keller, in dem die Möbel und alles, was ich nicht direkt brauchte, übergangsweise Platz fand. Der Rest wanderte gleich in mein Zimmer. Ich hatte beschlossen, nicht erst auszupacken und wollte sozusagen aus dem Koffer leben.
Mutter hatte mir zwar angeboten, doch sowieso wieder bei ihnen einzuziehen, aber die Nummer war mir dann doch zu heiß. Jeden Tag mit meinem Vater unter einem Dach? Das konnte nicht lange gut gehen.
„Alles klar gegangen? Wenn du wen zum Reden brauchst, ich bin für dich da … immer!“
Immer? Uups, Frau Leonie Teuber, was war das denn? Wie sollte ich das denn deuten? Flirtete sie etwa mit mir? Warum auch nicht, wir waren beide erwachsen und Singles. Für mich ginge das allerdings etwas zu schnell.
„Leo, ich danke dir für dein Angebot. Darauf komme ich gern zurück.
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