Mein Plan, ihn verführen zu wollen, war etwas aus dem Ruder gelaufen. Dummerweise hatte ich nicht mit dem Sekt gerechnet. Und der war auch noch saulecker. An Fahren war nicht mehr zu denken und darauf war ich nicht vorbereitet. Kein Nachtzeug, keine Zahnbürste, keine Wechselkleidung für den Ernstfall. Nicht mal 50 Euro in der Tasche, mit denen ich mir eine Taxifahrt hätte finanzieren können. Müde war ich auch. Mist, und nun?
Er zögerte keine Sekunde und bot er mir das Gästezimmer an. Mir Geld zu leihen, war nicht mal eine Zehntelsekunde lang die brauchbare Option für ihn. Wieder war es dieses Selbstverständliche, Unkomplizierte, was ich so an ihm bewunderte. Für ihn schien es keine Probleme zu geben, die nicht mit Leichtigkeit aus der Welt zu schaffen gewesen wären.
Mit dem Gästezimmer war mein Verführungsplan wieder in greifbare Nähe gerückt. Erstmal war es wichtig, dicht an ihn heranzukommen. Der Sekt und die vorgerückte Stunde boten mir die Lösung meines „Problems“ auf dem Silbertablett an. Ich brauchte nur so tun, als würde ich langsam einschlafen und schon konnte ich mich scheinbar schlafend in seine Arme fallen lassen. Der Rest hätte sich dann von ganz allein ergeben. Und wenn nicht, konnte ich wenigstens noch eine Weile in seinen Armen liegen.
Es war wohl der erotischste Moment meines noch jungen Lebens, als er mich ins Gästezimmer trug und mich wahrscheinlich musterte. Ich hatte mir auch alle Mühe gegeben, das Kleid unerhört stramm zu ziehen, als ich mich murmelnd auf die Seite drehte.
‚Ja, zieh mich aus Schatz.‘. Damit hatte ich ihn ermutigt, mich auszuziehen. Es musste einfach unbequem aussehen und das tat es wohl, denn Max begann tatsächlich mich auszuziehen. Ich hatte ihn ‚Schatz‘ genannt. Wie gerne hätte ich dabei sein Gesicht gesehen. Aber die superkleinen Sehschlitze meiner Augenlider brachte im Dämmerlicht keine Aufklärung.
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