Ihre geschwungenen, zartrosa Lippen bewegten sich ganz leicht und ihre zierliche Stupsnase drückte sich in das Kissen. Wie ein Engel im Mondlicht sah sie aus.
Ich hatte sie betrachtet und begonnen nachzudenken, über sie, über mich und auch über uns als Team bei den Auftritten, aber auch als mögliches Paar. Dachte darüber nach, ob ihr Geständnis Auswirkungen auf unsere Auftritte haben würden.
Von mir aus jedenfalls nicht, dessen war ich mir sicher. Und da ihre Gefühle zu mir noch stärker waren, drohte auch ihrerseits keine Gefahr.
Und nun saßen wir hier in der Küche beim Frühstück. Noch nie hatte ich meine ‚Freundin‘ nach so kurzer Zeit meinen Eltern vorgestellt. Aber sowohl Mutter, als auch Vater machten nichts Besonderes daraus. Keine dummen Fragen wie: Wer bist du …, wie alt bist du …, wo kommst du her …, was studierst du …? Nichts dergleichen!
Eine ganz normale Unterhaltung entstand stattdessen: Was macht ihr heute noch …? Leni, bei mir wird es heute wieder später …, sowas eben.
Leo hatte ihre Hand auf meinem Oberschenkel platziert und grinste verlegen. Ich legte meine Hand kurz auf ihre, als Zeichen dafür, dass sie sie dort mit ruhigem Gewissen liegenlassen konnte. Was meine Mutter allerdings unbedingt näher wissen wollte, waren mehr Informationen über das kranke Mädchen, für das der Rollstuhl gedacht war und über ihre Familie. Ich hörte aufmerksam zu, denn auch ich wußte ja noch nichts Näheres darüber.
Leo sah mich erst etwas fragend an. Woher sollte sie auch wissen, dass ich mit meinen Eltern bereits darüber gesprochen hatte. Aber dann erzählte sie von der kleinen Eva, die durch einen genetischen Defekt ihre voll entwickelten Beine nicht bewegen konnte und zu allem Elend auch noch leicht autistisch war.
Dadurch war sie ein 24/7 Pflegefall, so dass ihre Mutter nicht arbeiten gehen konnte und die vielen Behandlungen das Leben und den Geldbeutel der Eltern schon sehr beeinflussten.
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