„Wenn du mich nicht sofort küsst, reiche ich die Scheidung ein.“
„Wie soll was geschieden werden, was noch nicht begonnen hat?“
„Hast du ‚noch nicht‘ gesagt? Soll das heißen …?“
„Frag nicht soviel!“
Ich verschloss ihren geschwungenen Mund mit meinen Lippen. Warum musste sie immer so viel fragen? Typisch für
Frauen, oder? Sie erwiderte den Kuss und unsere Zungen fanden sich zu einem Date in der Mitte. Sie schmeckte herrlich nach frischer Minze. Von dem Kuss gefangen, ließ sie die kleine Reisetasche fallen, die sie in der Hand trug. Es dauerte noch viele Sekunden, bis sich unsere Lippen voneinander lösten und wir uns lächelnd ansahen.
Jetzt erst kam ich dazu, sie mir etwas genauer anzusehen. Sie drehte sich vor mir, so dass ihr Kleid eine Glocke um ihre Oberschenkel formte. Es war etwa knielang und sommerlich bunt, farblich perfekt kombiniert mit flachen Riemchenschuhen.
„Du siehst toll aus!“, konnte ich mir ein ehrlich gemeintes Lob nicht verkneifen.
„Da hat er zweifelsfrei recht.“, bestätigten Leni und Frank Rotzoll gleichzeitig.
„Danke.“, flüsterte sie verlegen.
Mutter ließ es sich nicht nehmen, Leonie auf jeder Wange einen Freundschaftskuss aufzudrücken und schob uns alle in den Garten. Leo staunte kleine Bauklötze. Sie bekam feuchte Augen bei dem Anblick, der sich ihr bot und dem Aufwand, den wir betrieben hatten. Ehe ich mich versah, stand sie vor mir und legte ihren Kopf an meine Brust. Mutter lächelte freundlich, als sie das sah und strich Leo über das lockige Haar.
„Wieviel Gäste erwartest du denn?“, fragte sie mich leise.
„Och, so dreißig etwa.“
„Wer … wieso…?“, stotterte sie.
„Eva mit ihren Eltern, wir beide, meine Eltern, der Chef von einem Sanitätshaus mit seiner Frau, ein paar Sponsoren und nicht zuletzt deine Eltern.“
„Sponsoren? Meine Eltern? Ich verstehe überhaupt nichts mehr!“
„Musst du auch nicht.“
Sie blieb einfach in meinem Arm stehen.
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