So ist meine Antwort auch bei weitem heftiger als geplant. „Wie kommst du denn auf den Schwachsinn?“ fahre ich sie geradezu an, „Wieso bist du jetzt keine richtige Frau mehr, und wieso soll ich plötzlich nichts mehr mit dir zu tun haben wollen?“ Bettina weicht erschrocken etwas zurück, als sie wieder ganz leise antwortet: „Naja, … ich kann doch keine Kinder mehr bekommen, … und bin deshalb eben keine richtige Frau mehr. … Und wenn du mich deshalb nicht mehr willst, … dann ist das in Ordnung.“ Ihre traurigen Augen blicken mich an, und langsam beginne ich zu begreifen, wie sie denkt. Fassungslos schüttle ich den Kopf, während ich versuche mir eine vernünftige Antwort zurechtzulegen.
„Wieso bist du keine richtige Frau mehr?“ antworte ich, ihr fest in die Augen blickend, „Ich meine, du kannst keine Kinder bekommen, also wirst du nie Mutter sein, aber das hat doch nichts damit zu tun, ob du eine Frau bist oder nicht. … Was ist denn mit all den Frauen, die keine Kinder haben, weil sie keine wollen, oder ihre Männer keine zeugen können, sind das auch keine richtigen Frauen? … Also Frausein und Muttersein sind doch zwei völlig unterschiedliche Dinge. … Und du bist eine umwerfend wunderbare Frau.“ Bettina schaut mich fast ungläubig an, reagiert überhaupt nicht, weshalb ich einfach fortfahre: „Und überhaupt, warum soll ich eine so tolle Frau wie dich deswegen verlassen? … An meinen Gefühlen für dich ändert sich dadurch doch nichts. … Überhaupt, wer hat dir diesen Schwachsinn eigentlich eingeredet?“ „Mein Vater.“ flüstert sie zaghaft. „Na klar, welcher Idiot auch sonst!“ entfährt es mir maßlos wütend. Wie kann ein Vater seiner Tochter, die so schwer erkrankt ist, dass es ihr ganzes Leben mit einem Schlag verändert, so etwas antun, ihr einreden, dass sie als beschädigte Ware auf dem Restpostentisch des Lebens gelandet ist. Unglaublich.
Das Erwachen der Lust
Eine ungewöhnliche junge Frau
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Das Erwachen der Lust
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