Wie Gloria da mit einem Mal gemerkt hatte, was offenbar ihre wahren Neigungen waren und wie wundervoll die Liebe zu einer Frau sein konnte. Wie sie dann Samstagmorgen während des langweiligen Seminars die Frauen im Seminarraum gemustert und ihr wohlgefälliger Blick dann auf Hanna gelandet war, deren dezente Signale sie sofort richtig gedeutet hatte. Wie sie sich überaus sorgfältig auf den heutigen Arbeitstag vorbereitet und ihre Eroberung strategisch geschickt geplant hatte – Hannas verweinte Augen strahlten vor Freude, und sie lächelte selig, als sie das erzählte – und wie unglaublich froh und erleichtert sie gewesen war, als sie gemerkt hatte, wie Hanna auf all das eingegangen und ihr die Eroberung so wunderbar leicht gemacht hatte. Und wie froh auch sie nun war, ihrerseits die Frau gefunden zu haben, mit der sie ganz sicher ganz glücklich sein werde.
Nachdem die beiden noch zum Abschied einen heftigen, ganz langen Kuss ausgetauscht hatten, zog Hanna ihre Schuhe wieder an und ging in ihr Büro zurück. „Ich zähle die Minuten bis heute Abend, Schatz!“, hauchte sie Gloria zum Abschied zu. „Und ich zähle die Sekunden, mein Liebling!“, antwortete Gloria.
Den Rest ihres Arbeitstages fiel es Gloria äußerst schwer, sich zu konzentrieren und einen einigermaßen klaren Gedanken zu fassen. Das, was sie alles mit Hanna erlebt hatte, beschäftigte sie über alle Maßen, und so sehr sie auch versuchte, sich zu nüchternen juristischen Fragestellungen zu zwingen, um sich von all dem abzulenken, es gelang ihr nicht. Hannas erschütterndes Geständnis hatte sie emotional äußerst stark bewegt, und sie stellte sich vor, wie es ihr selber wohl ergangen wäre, hätte sie ihre lesbischen Neigungen schon in früher Jugend bemerkt und nicht erst letzten Freitag.
Das Geständnis
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