Das Glück der Andern

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Das Glück der Andern

Das Glück der Andern

Anita Isiris

Es war lange her, seit sich das letzte Mal ein Mann für ihren Busen interessiert hatte. In der Unisauna war das gewesen. Sri hatte er geheissen, und er hatte den Blick nicht von ihr abwenden können. Einmal hatte sie mit diesem Inder geschlafen, ein einziges Mal, und seine Leidenschaft hatte sich unauslöschlich in ihre Seele eingeprägt. Dann hatte sie Jon kennen gelernt, den baumlangen Unterstufen-Lehrer, der keiner Fliege etwas zuleide tat – und das machte ihn so langweilig. Trotzdem hatten sie ein Kind zustande gebracht, die Marlise und der Jon. Die kleine Nina war ihr ganzer Stolz. Und jetzt dieser Martin. Bedroht fühlte sie sich keineswegs, eher belustigt. Sie schenkte ihm einen Kaffee ein und stellte die Tasse auf den Küchentisch. “Setz Dich, bitte.” Dieses sachliche “Setz Dich bitte” hatte sie sich berufeshalber angeeigenet. Marlise war Sprachtherapeutin für Kinder.

“Aber nur ganz schnell, ja?” sagte sie anschliessend und öffnete ihren Morgenrock. Martins Stielaugen brachten sie in Verlegenheit, und sie war froh, als die kleine Kamera endlich klickte. Martin strahlte.

Es wurde Sommer, und Jon hatte das Vergnügen zu beobachten, wie Jeanine jeden Tag weniger anhatte. Erst noch Jeans und T-Shirt, dann dieses neckische ärmellose Hemdchen mit Shorts, und jetzt grasgrüne Hotpants und einen schwarzen BH. Sie schien sich nicht zu schämen in der Vertrautheit des Gartens, den sie gemeinsam mit ihren Nachbarn benutzte. Jon, der die Sträucher, Forsythien und Clematis hegte und pflegte, versäumte keine Gelegenheit, sich in Jeanines Nähe aufzuhalten und stellte mit Genugtuung fest, dass deren BH nicht ganz blickdicht war. Im übrigen schienen Jeanine und Martin ein wirklich glückliches Paar zu sein; sie liebten ihre kleine Rosa; Martin hütete sie stets am Mittwoch und Donnerstag, während Jeanine ihrer Arbeit als Teilzeitbibliothekarin nachging.

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