Das Glück der Andern

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Das Glück der Andern

Das Glück der Andern

Anita Isiris

Marlise breitete die Arme aus und befand sich gewissermassen im freien Fall zwischen Jeanines Lippen und Jons Schwanz, der sie liebevoll von hinten vögelte.

In meditativer Pose stand Jon am Fenster und fixierte den Mond. Sein Raubtierinstinkt liess ihn nicht im Stich. Die Bewegung auf der Strasse nahm er sogleich wahr und richtete sein Augenmerk auf den weissen Audi, der soeben im Begriff war zu parkieren. Er gehörte der neuen Nachbarin, Jeanine, und Jons Blutdruck erhöhte sich, während er die Parkbemühungen der jungen Frau beobachtete. Im Hintergrund nahm er das Surren von Marlises Nähmaschine wahr. Sie trug einen kurzen, schwarz weiss karierten Rock, und darunter schwarze Wollstrümpfe. Kein schlechtes Outfit für eine Hausfrau im Januar, aber Jons Beachtung konnte sie schon lange nicht mehr gewinnen. Sie war für seine Begriffe zu verklemmt, wie er ihr einmal in einem Streit offenbart hatte. Es tat ihr weh, das zu realisieren. Die gemeinsame, sieben Monate alte Tochter gedieh gut, und das Familienkorsett war errichtet. Die ganze Anziehung der frühen Jahre war aber flöten gegangen, mit jeder von Jons Salärerhöhungen ein wenig mehr. Marlise strich den Rock glatt und beobachtete Jons Rücken, während dieser seine Nachbarin im Visier hatte. Er war ein schöner Mann, mit klarem, fein geschnittenem Gesicht, von eleganter Statur und mit Hüften, die etwas hergaben – bewegungstechnisch gesehen. Mit den neuen Nachbarn verstand Marlise sich gut, vor allem mit Jeanines Partner Martin. Er war der Künstlertyp, aber trotzdem familienfähig, wie es schien. Liebevoll betreute er seine dreijährige Tochter, wenn Jeanine arbeitete. Das Paar schien sich perfekt organisieren zu können, was Marlises Neugierde noch steigerte. Lüstern verfolgte Jon den wiegenden Gang seiner Nachbarin. Sie war ein wenig rundlicher als Marlise, ihr Hintern wesentlich grösser, der Busen voller. Es umgab sie nicht ganz dieselbe Unschuld wie seine Frau, die eine eher verhaltene Ausstrahlung hatte. Was Jeanine wohl unter der dicken Winterjacke trug? Jon fühlte sich unbeobachtet, ahnte nicht, dass Jeanine sehr wohl realisierte, dass er sie dauernd beobachtete. Ihrem Mann Martin hatte sie das schon öfter leichthin erzählt, doch der hatte andere Probleme.

Das Surren der Nähmaschine verstummte. Marlise knöpfte langsam ihre Bluse auf. Darunter trug sie nichts ausser zwei schmucken kleinen Brüsten, die ihrer Figur zur Ehre gereichten. Sie passten perfekt zu ihr, diese Tittchen, und die kecken steifen Brustwarzen waren das Sahnehäubchen, perfekt platziert auf diesen sanften kleinen Hügelchen, Perlen gleich. Tänzelnd näherte sich Marlise ihrem Jon. Dieses Spielerische an ihr hatte ihn in früheren Jahren stets in den Bann gezogen, jetzt nervte er sich darüber nur noch, fand seine Frau unreif und infantil. Von der Schwangerschaft hatte sie sich rasch erholt, war wie durch Zauberhand wieder eng geworden da unten, und ihrem Busen hätte man die intensiven Stillmonate niemals zugetraut. Sie schmiegte sich an Jon und wollte mal wieder nicht wahrhaben, wie er sich versteifte. Liebte er sie denn gar nicht mehr? Was beobachtete er wohl da draussen? Den sichelförmigen Mond? Marlise sah, wie Jeanine sich am Briefkasten zu schaffen machte, der an der Hausecke befestigt war. Sie dachte sich aber nichts dabei. Frauen in Winterjacken sind doch nichts Besonderes – oder?

Tags darauf klingelte es. Jon stand wohl gerade in seinem Schulzimmer, eine Horde gelangweilter Teens vor sich, und Marlise öffnete die Wohnungstür im Morgenrock. Draussen stand Martin. “Oh...” entfuhr es ihr. “Darf ich mal reinkommen?” Marlise mochte die direkte Art ihres Nachbarn, sie schämte sich aber für ihr Outfit. In den Spiegel hatte sie noch nicht geschaut heute. Die kleine Nina schlief noch, und der Haushalt harrte ihrer. Brotkrümel am Boden, ungeplättete Wäsche und schmutzige Schuhe. Wie das Leben so spielt. Was Martin wohl von ihr wollte? Er äusserte sich nicht konkret und begann mit Smalltalk. Jeanine schien nicht zu Hause zu sein. “Darf ich Deine Brüste fotografieren? Ich habe da einen Demo-Song eingespielt und benötige ein attraktives Cover.” Marlise glaubte, sie hätte sich verhört. “Willst Du einen Kaffee?” überspielte sie seine Frage. Ihr Herz klopfte bis zum Hals. Erst jetzt sah sie, dass Martin tatsächlich eine kleine Kamera mit dabei hatte. “Nur... weisst Du, ehm, Dein Gesicht wird man nicht erkennen auf dem Bild. Nur den Morgenrock etwas öffnen... ich mache dann klick und das war´s auch schon.”

Es war lange her, seit sich das letzte Mal ein Mann für ihren Busen interessiert hatte. In der Unisauna war das gewesen. Sri hatte er geheissen, und er hatte den Blick nicht von ihr abwenden können. Einmal hatte sie mit diesem Inder geschlafen, ein einziges Mal, und seine Leidenschaft hatte sich unauslöschlich in ihre Seele eingeprägt. Dann hatte sie Jon kennen gelernt, den baumlangen Unterstufen-Lehrer, der keiner Fliege etwas zuleide tat – und das machte ihn so langweilig. Trotzdem hatten sie ein Kind zustande gebracht, die Marlise und der Jon. Die kleine Nina war ihr ganzer Stolz. Und jetzt dieser Martin. Bedroht fühlte sie sich keineswegs, eher belustigt. Sie schenkte ihm einen Kaffee ein und stellte die Tasse auf den Küchentisch. “Setz Dich, bitte.” Dieses sachliche “Setz Dich bitte” hatte sie sich berufeshalber angeeigenet. Marlise war Sprachtherapeutin für Kinder.

“Aber nur ganz schnell, ja?” sagte sie anschliessend und öffnete ihren Morgenrock. Martins Stielaugen brachten sie in Verlegenheit, und sie war froh, als die kleine Kamera endlich klickte. Martin strahlte.

Es wurde Sommer, und Jon hatte das Vergnügen zu beobachten, wie Jeanine jeden Tag weniger anhatte. Erst noch Jeans und T-Shirt, dann dieses neckische ärmellose Hemdchen mit Shorts, und jetzt grasgrüne Hotpants und einen schwarzen BH. Sie schien sich nicht zu schämen in der Vertrautheit des Gartens, den sie gemeinsam mit ihren Nachbarn benutzte. Jon, der die Sträucher, Forsythien und Clematis hegte und pflegte, versäumte keine Gelegenheit, sich in Jeanines Nähe aufzuhalten und stellte mit Genugtuung fest, dass deren BH nicht ganz blickdicht war. Im übrigen schienen Jeanine und Martin ein wirklich glückliches Paar zu sein; sie liebten ihre kleine Rosa; Martin hütete sie stets am Mittwoch und Donnerstag, während Jeanine ihrer Arbeit als Teilzeitbibliothekarin nachging.

Ein einziges Mal hatte Jon das Paar beim Bumsen beobachtet. Ein Sonntag Morgen war es gewesen, und die beiden hatten vergessen, die Jalousien des Schlafzimmers im Erdgeschoss zu schliessen. Sie hatte auf ihm gesessen, und in glühender Leidenschaft hatte er sie zum Fliegen gebracht, der Martin. Wie ein Engel hatte Jeanine ausgesehen, wie ein nackter Engel mit bebenden Brüsten und fliegendem Haar. Jons Magen hatte sich zusammengezogen. Längst hatte er sich in seine Nachbarin verliebt und ertrug es kaum, dass sie von einem andern gestossen wurde. Sanft hatten ihn die Glyzinien an der Häuserwand angelacht, aber alles war nutzlos gewesen. Später hatte er die Szene zu visualisieren versucht und sich in der Küche befriedigt. Er hoffte aber inständig darauf, die Gelegenheit würde sich wiederholen. Fünfhundert Jahre seines Lebens hätte er darum gegeben, das Auf-und-Ab von Jeanines schweren Brüsten noch einmal zu geniessen, während ihr Partner Martin seine Geliebte zum Fliegen brachte. Immer länger verweilte er in der Waschküche, wenn da Jeanines Unterwäsche zum Trocknen hing. Schlichte Sloggi Slips waren das, weiss und rosa, und fast durchgehend schwarze BHs.

Ein einziges Mal war Jon zum Wäschedieb geworden, hatte während einer von Marlises Abwesenheiten einen von Jeanines Büstenhaltern vom Draht genommen, sich damit in sein Bett verzogen und ihn mit seinem Sperma bekleckert.

Abgesehen von diesen kleinen Perversionen, die Alltag sind in unserer verklemmten Gesellschaft, wuchsen die beiden Paare allmählich wie ein vierblättriges Kleeblatt zusammen. Die beiden Töchterchen vertrugen sich prächtig, und Jon saugte das Glück von Martin und Jeanine in sich auf. Marlise tat es ihm gleich, wenn auch nicht auf die voyeuristische Tour, so genoss sie doch die Aufmerksamkeit, die ihr Nachbar Martin ihr zuteil werden liess. Zudem teilte sie mit ihm dieses kleine süsse Geheimnis, das Geheimnis, dass er einst in ihrer Küche ihre Brüste fotografiert hatte. Das Demoband allerdings war noch immer nicht erschienen, wie das so häufig vorkommt in derartigen Fällen.

Marlise entdeckte aber nicht nur Martins Reize für sich, sondern auch die von Jeanine. Sie mochte diese dralle Frau immer besser und ertappte sich oft dabei, wie sie versunken deren Bikinihintern betrachtete. Zum Anbeissen fand sie diesen Arsch und entdeckte ihre bisexuellen Neigungen, die sie natürlich nach Kräften verdrängte. Mehrmals im Verlauf dieses heissen Sommers hatte Jeanine sie spontan darum gebeten, ihr den Rücken einzucrèmen. Mit flinken Fingern hatte Marlise dann ganze Arbeit geleistet, und die Oberschenkel sind doch auch ein Teil des Rückens, oder? Immer stärker musste sie ihre Lust verdrängen, die Lust, Jeanine die Zunge in den Mund zu schieben, dazu die Augen zu schliessen und ihre Feuchtigkeit zu erkunden. Es gab Sommertage, an denen Jeanine bloss einen String trug und so ihren Megahintern zur Schau stellte. Martin schien nichts dagegen zu haben – und Jon sowieso nicht, wie es Marlise schien. “Männer sind doch alle gleich”, kicherte sie einmal leise, als sie sah, wie ihr Jon selbstvergessen Jeanines Arsch betrachtete. Es war nicht von der Hand zu weisen: Es knisterte zwischen den beiden Paaren, und zwar lautstark. Am allerwenigsten bekamen die beiden Töchter mit, die sich liebend gerne im Sandkasten vergnügten, mit den Puppen Sara und Natascha.

Die träge, schwüle Sommergeilheit der beiden Paare erreichte einen Höhepunkt, als Jeanine Marlise eines Tages bat, ihre Brüste zu massieren. “Es würde mir so gut tun”, flüsterte sie mit heiserer Stimme, “so gut...”. “Kann das nicht Dein Mann machen?” fragte Marlise überrascht. Sie wusste, dass Martin sehr verliebt war in seine Jeanine und wollte sich nicht zwischen die beiden drängen – nicht auf offensichtliche Weise jedenfalls. “Nein, Deine zarten Hände sind das, was ich jetzt benötige... bitte...” So kam es, dass Jon Würstchen grillierte, Martin den Rasen mähte und Marlise sich mit Jeanines Busen beschäftigte. Die warme, weiche Haut, das pralle Gewebe erregten sie aufs Höchste, und ein Glas Wein, etwas später, tat das Seinige dazu, dass Marlise um Mitternacht kichernd einen “flotten Vierer” vorschlug – nur so zum Spass, versteht sich. Sie empfand das innige Bedürftnis, mal wieder Gefühle zu tanken, das Glück des fremden, sich liebenden Paars in sich aufzunehmen.

Womöglich würde auch ihr Jon von einer Lustwelle erfasst? Zu ihrer eigenenÜberraschung willigte Martin etwas übereifrig ein, Jon tat es ihm nach. Jeanine zögerte ein wenig, zwinkerte aber Jon und ihrem Martin zu, so, als wollte sie die beiden Männer ermutigen. Die Kinder schliefen tief, die beiden Paare begaben sich in die Werkstatt, die sich im Keller des Mehrfamilienhauses befand. Geräusche würden von da nicht so ohne Weiteres zu den Mitbewohnern dringen und diese womöglich noch zum Mitmachen animieren: Es handelte sich um lauter ältere Witwen.

Zwei Elektroöfen spendeten die nötige Wärme, noch mehr Wein für die nötige Heiterkeit, ein paar Sprüche von Martin für die nötige Entspannung. Jon bewunderte die nackte Jeanine, Martin die nackte Marlise. Die eine der beiden Frauen war rasiert, die andere nicht. Die eine hatte schwere Brüste, die andere nicht. Die eine hatte kecke Speckringe an den Hüften, die andere nicht. Die eine war blond, die andere nicht.

Dann breitete Marlise die Arme aus und befand sich gewissermassen im freien Fall zwischen Jeanines Lippen, die sie innig küssten und Jons Schwanz, der sie liebevoll von hinten vögelte.

Martin stand etwas abseits und wichste genussvoll. Oh ja, er liebte seine Jeanine, klar. Die Art, wie sie der jungen Nachbarin ihre Zunge zwischen die Lippen schob, erregte ihn aber aufs Höchste und kitzelte seine Eifersucht. Er hätte es kaum ertragen, wenn Jon Sex gehabt hätte mit seiner Geliebten – Küsse unter Frauen waren aber erträglich für ihn. Marlise sog Jeanines Wärme in sich auf und beobachtete den wichsenden Martin aus den Augenwinkeln, während ihr Jon in sie drang. Doch, er machte seine Sache gut. Sehr gut sogar. Aber Marlises Gedanken waren beim Nachbarn mit dem prallen, geäderten Schwanz, dem Lustobjekt, das sie jetzt gerne, sehr gerne in sich gespürt hätte. Martin konnte mal wieder die Augen nicht von Marlises Brüsten abwenden, die er ja bereits vom Foto kannte, das er in ihrer Küche gemacht hatte. Sie bewegten sich sanft, ihre Tittchen, im Rhythmus von Jons Stössen. Gekonnt steuerte dieser sie einem Orgasmus entgegen, etwa so, wie ein Kapitän sein Schiff in einen Fjord führt, um sich mal in einer Udo Lindenberg´schen Metapher auszudrücken.

Marlise befand sich, wie gesagt, im freien Fall, liess sich treiben, und ihre Verklemmtheit fiel von ihr ab wie ein letztes, ein allerletzes, dünnes, kaum sichtbares Kleidungsstück.

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