Ich lebe nämlich ziemlich allein hier draußen, musst du wissen. Wenn du mir seinen strammen Riemen leihst, dürfte für euch auch ein kräftiges Frühstück drin sein.“
„Das ist ein Wort“, lachte Greta heiter, ohne Hansens Widerspruch auch nur zu bemerken. Ihr kam da gerade so eine Geschäftsidee...
Mit ihrem Verstand und seinem Riemen, ließe sich doch ganz gut leben. Die Frauenbewegung war noch nicht erfunden, doch Greta war schon ziemlich emanzipiert. „Warum sollte sie den immergeilen Trottel nicht einfach auf den Strich schicken? Auch alte Damen, zumal wenn sie so nett und freundlich waren wie Diese, hatten schließlich hin und wieder Anspruch auf einen strammen Zeitvertreiber.“
So kam es, dass Greta ihren Bruder für zwei gerührte Eier (immerhin mit reichlich Brot, und mächtig gebratenem Speck) auf den Strich schickte.
...Das Geschäft lief also ganz gut an. Greta und die Alte wurden gute Freundinnen. Gemeinsam sperrten sie Hans in einen Käfig und fütterten ihn mit Küchenabfällen. Er wurde nur heraus gelassen, wenn sich eine gut zahlende Kundin fand. Aber weil das mehrmals täglich der Fall war, bekam er oft mehr Auslauf, als ihm lieb war. Im ganze Wald sprach sich bald herum, dass es im Lebkuchenhaus einen brauchbaren Lustknaben gab.
Die freundliche, alte Dame war sehr glücklich. Denn ab jetzt gab es oft Besuch, ...und sie musste keine trocknen Lebkuchen mehr aufs Dach nageln.
Auch Greta war sehr zufrieden. Denn sie konnte sich jetzt kostbare Pelze leisten und lebte in Saus und Braus.
Das hätte ewig so weitergehen können, wenn Greta und die Alte es nicht übertrieben hätten. Sie verloren jegliches Maß, was ihre Feste und Kaffeekränzchen anging. Hans wurde fett, weil es viel zu viele Abfälle gab. Die alte, freundliche Frau wurde senil. Denn Überzuckerung schadet nicht nur der Figur, sondern auch dem Verstand.
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