Das Mädchen vom Waldsee

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Das Mädchen vom Waldsee

Das Mädchen vom Waldsee

Jürgen Lill

Ich hatte mir schon lange vorgenommen, wieder einmal wandern zu gehen. Die Straßen und Menschenmassen der Stadt waren mir zuwider geworden, und so packte ich meinen Rucksack mit Proviant, einer Decke und einem Buch und machte mich auf den Weg.
Der Wald empfing mich mit kühlem Schatten und dem würzigen Geruch von Moos und harzigen Kiefern. Irgendwo in der Ferne hämmerte ein Specht, und ich ließ mich von dem gleichmäßigen Geräusch leiten, abseits der Wege. Das Unterholz raschelte unter meinen Schritten, und ich spürte die Anspannung der letzten Wochen langsam aus meinem Körper weichen.
Nach einigen Stunden erreichte ich eine Lichtung, wo das Sonnenlicht golden durch die Blätter fiel und kleine Staubpartikel in der Luft tanzen ließ. Der Boden war mit welkem Laub bedeckt, das unter meinen Sohlen knisterte wie Feuer. Ich setzte mich auf einen umgestürzten Baumstamm, trank einen Schluck Wasser und lauschte dem Summen der Insekten. In diesem Moment fühlte ich mich kleiner als ein Sandkorn, aber auch mit allem um mich herum verbunden.
Plötzlich hörte ich ein leises Plätschern. Neugierig folgte ich dem Geräusch, bis ich durch die Bäume einen kleinen See entdeckte, dessen Oberfläche ruhig wie Glas war. Und dort, in der Mitte, bewegte sich etwas – ein Mädchen, nackt, mit dunklem Haar, das sich im Wasser ausbreitete wie Algen. Sie schwamm langsam, fast träge, als würde sie sich in Zeitlupe bewegen. Ich blieb stehen und hielt den Atem an.
Jede ihrer Bewegungen war mühelos, als würde sie das Wasser nur streicheln, nicht durch es schneiden. Ihre Haut glänzte im Sonnenlicht, golden und nass, und als sie sich umdrehte, sah ich die Rundung ihrer Brüste, die Spitzen hart von der Kühle des Wassers. Sie warf den Kopf zurück, lachte leise, und ich spürte, wie sich mein Herzschlag beschleunigte.

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