Das rote Tor

Parallele Dimensionen - Teil 10

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Das rote Tor

Das rote Tor

Emil Lorenz

Sie sah Palmen, die wie aus einem billigen Urlaubsprospekt den Strand säumten. Der Strand erstreckte sich nach links und rechts in gleicher Weise. Rechts sah sie in einiger Entfernung, wie der Wald in felsiges Gestein überging und eine steile Klippe aus dem wuchernden Grün zu wachsen schien. Nach links sah sie nichts als Strand, der an einer Landzunge in ungefähr zwei Kilometern endete. Sie hatte immer noch das schrecklich blaue Hemdchen an und trotzdem wurde es ihr so langsam warm in der Sonne. Außerdem hatte sie Durst und Hunger. Es war ein verdammtes Pech, dass sie von den anderen getrennt worden war, aber es ließ sich jetzt nicht ändern. Als Erstes musste sie von dieser beschissenen Sandbank runter. Sie saß zwar trocken, aber es war weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Zu hoffen, dass sie ein stolzer Ritter retten kam, war mehr als unrealistisch. Außerdem war ihr klar, dass es in einer Dimension, die man mit einem roten Tor erreichte, auch nur einen einzigen Weg wieder rausgab. Ein blaues Tor. Und nur ein blaues Tor, und das musste sie finden. Sie stand auf, drückte den Rücken durch, strich sich ihre langen blonden Haare aus dem Gesicht und machte die ersten Schritte ins Wasser, um an den Strand zu gelangen. Der nasse Fetzen Stoff klebte an ihr wie Frischhaltefolie. Sie zog ihn aus und warf ihn achtlos auf die Sandbank. Nach wenigen Schritten hatte sie schon den Boden unter den Füßen verloren und begann zu schwimmen. Sie war eine gute Schwimmerin, aber sie merkte schon nach wenigen Zügen, dass hier etwas nicht stimmte. Sie machte keine Strecke. Es war, als würde sie gegen eine Strömung anschwimmen, die immer stärker wurde, je mehr sie sich anstrengte. Sie hörte mit ihren Anstrengungen auf und hatte nach einigen Sekunden auch wieder Boden unter den Füßen.

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