Das spitze Bargirl

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Das spitze Bargirl

Das spitze Bargirl

Peter Hu

Eigentlich hätte sie das Gespräch gar nicht mit anhören sollen. Dennoch ging ihr das Herz auf, als sie durch die Küchentür die Worte von Hank aufschnappte. Ja, es gehörte sich nicht, an geschlossenen Türen zu lauschen. Doch nach der unerwartet heftigen Ansage, die ihr Jack, der Hausbetreiber gemacht hatte, nachdem sie über den Hund gestolpert war und das Tablett fallen ließ, war sie den Tränen nahe. Nicht zuletzt, weil sie zu allem Überfluss auch noch heftig mit dem Oberschenkel an die Tischkante gestoßen war. Das gab nicht nur einen riesigen blauen Fleck, da war schon eine richtige Beule angeschwollen.
So eine Unverschämtheit. Jack hatte sofort rumgebrüllt, und den Orang-Utan gespielt, anstatt ihr zu helfen. Schließlich war sie verletzt.
‚Die dumme Sau‘ ...hatte sie nur still hinter ihrem Tränenschleier gedacht.
Hank hingegen, hatte ihr sofort einen Beutel mit Eiswürfeln über die Bar gereicht.
Sie war erst seit drei Wochen hier. Jack hatte ihr nichts gezeigt. Doch wegen des kleinsten Fehlers ging der Chef sie schon an. Noch dazu vor allen Gästen; als sei sie ein dummes, kleines Mädchen.

Nun: Recht klein war sie; nicht eben alt, keineswegs dumm und auf jeden Fall erwachsen. Inzwischen studierte sie Jura im siebten Semester. Schließlich war das hier nur ein Job, um die Miete zu bezahlen. Dazu: Was ihre intellektuellen Fähigkeiten anging, da steckte sie den Alten, tätowierten Rockerveteran noch dreimal in den Sack.

Doch Hank, sein Geschäftsführer, stand zu ihr. Er beschützte sie jedes Mal. Vor unflätigen Gästen, vor zickigen Kolleginnen, ...und auch stets vor dem großen Boss selbst.
Ohne Hank lief hier nichts. Er war eine berühmte Institution, ...genau wie die Kneipe selbst. Mit ihm stand und fiel das Geschäft. Wenn er mal nicht selbst hinterm Tresen stand, war das gleich am Umsatz zu merken. In dieser Baar verkehrten vornehmlich Biker, ...oder auch Trucker auf der Durchreise, die nach Feierabend ein Schlummer-Bier nahmen. Und natürlich Touristen. Denn die Kneipe stand in jedem Reiseführer.
Das fahrende Publikum war bei Hank gerade richtig. Er war sowohl im Führerhaus eines Higwaytrucks, als auch im Sattel einer Harley zuhause. Er hatte das ganze Land bereist. Und das sah man seiner vierschrötigen Erscheinung einfach an. Der totale Kumpeltyp, der immer die richtige Geschichte im Gepäck hatte. Darum mochten ihn die Jungs, ...und ihre Bikergirls manchmal sogar zu sehr. Doch bei letzteren hielt sich Hank kameradschaftlich vornehm zurück. Er hielt sich lieber an die Stripperinnen, die hier regelmäßig an den Wochenenden das Geschäft ankurbelten.

Ja, ...Melly schwoll vor Stolz die (sparsame) Brust, als sie belauschte, wie sich dieser schon leicht ergraute Bär plötzlich für sie ins Zeug legte…

*

„Mir gefällt gar nicht, wie du die Kleine ständig angehst. Sie ist doch süß. Die Gäste mögen sie, …trinken gern schon mal ein oder zwei Gläser mehr, wenn sie bedient. Sie zieht sich sexy an, ohne dabei zu übertreiben. Und selbst wenn sie mal eine Bestellung vertauscht, ...wirklich übel nimmt ihr das hier niemand, ...außer dir. Wüsste gern mal, wie du dich bei all dem Stress, den Zurufen und dem Durcheinander schlagen würdest. Wir haben noch nichts deswegen wegschütten müssen. Aber bestimmt zwanzig Prozent mehr Umsatz, wenn sie hier ist. Selbst, wenn die Stripperinnen mal nicht kommen, läuft der Laden mit ihr wie geschmiert. Kein Wunder, bei diesem geilen Arsch.
Seit deine Alte dich sitzen lassen hat, bist du wirklich unerträglich. Und nur weil Melly vom Gesicht her eine gewisse Ähnlichkeit mit ihrer jüngeren Version hat...“

Hank konnte sich Klartext erlauben. Er war nicht nur irgendein Angestellter. Seit vielen Jahren waren die Männer dicke Freunde. Darum beruhigte sich der Boss auch schnell wieder. Melly hätte eigentlich längst wieder an die Arbeit gehen müssen. Doch es war Dienstag, ...noch früh und obendrein noch nicht viel los im Laden. Die beiden Kolleginnen schafften das schon allein. Sie hatten die Humpelnde schließlich selbst erst mal nach hinten geschickt, damit sie in Ruhe ihre Tränen trocknen konnte. Darum gönnte sie sich auch noch ein paar Minuten, um weiter zu lauschen…

*

Und nun wurde es interessant. Denn als die erste Wut verraucht war, entwickelte sich ein Männergespräch, das nunmehr nur noch Mellys Vorzüge zum Thema hatte…

„Jetzt sag doch mal ehrlich. Dir wird es doch auch eng in der Hose, wenn sich die Kleine in ihren engen Shorts über den Tisch beugt, um die Gläser einzusammeln. Ich habe dich beobachtet. Du kannst die Augen doch gar nicht von ihrer knackigen Heckpartie lassen, wenn du da im Türrahmen stehst und uns beim Schuften zusiehst.“
„Sie ist doch viel zu jung für mich. ...Für dich übrigens auch. Noch echter Babyspeck dran. Und noch nicht einmal nennenswerte Tittchen. Ich könnte fast ihr Großvater sein. Und vorn herum brauch ich nun mal was zum Kneten,“ ...tat der Boss die Bemerkung scheinbar lässig ab.
„Laut Arbeitsvertrag ist sie vierundzwanzig. Ob wir alten Säcke noch mal an solch feines Frischfleisch kommen, steht auf einem anderen Blatt. Aber träumen wird ja wohl erlaubt sein. Und Hand aufs Herz: Kerle in unserem Alter träumen doch alle denselben Traum. Ich finde sie jedenfalls zum Anbeißen süß. Gerade wegen der niedlichen Schenkelgrübchen und der winzigen Tittchen unter der Bluse. Ich kann diese aalglatt polierten, silikongepolsterrten Stangentänzerinnen langsam nicht mehr sehen. Dieses künstliche Blond, ...diese gespachtelten Gesichter. Ist dir bei aller Gifterei eigentlich aufgefallen, dass Melly Sommersprossen auf der Nase hat?“

„Hank, ...Hank, ...Hank, ...du hast dich doch nicht etwa in diesen kurzbeinigen, flachbrüstigen Backfisch verliebt? Selbst mit Mitte zwanzig, könnte sie noch locker deine Tochter sein…“

Hank lachte. „Ich glaube, dir geht es ganz genauso. Aber du müsstest dir eingestehen, dass du ein alter Sack bist. Und darum drangsalierst du die Süße lieber, als dass du akzeptierst, dass du in dieser Liga keine Changse mehr hast. Diese knackigen Schenkel sind keinesfalls zu kurz und machen dich genauso an, wie mich. Gib es zu.
Und mit ihrem Arsch geht es dir ganz ähnlich. Aber eine Abfuhr könntest du nicht ertragen. Darum benimmst du dich lieber gleich wie ein Arsch; ...weit weniger hübsch als der Ihre, im übrigen…“

Melly fühlte sich plötzlich deutlich besser, ...und irgendwie auch sonderbar erregt. Ihre kleinen Nippel waren plötzlich steinhart. Ihr Möschen war plötzlich heiß; ...ja auch ein bisschen feucht sogar.
Hank war schon cool. Mit dem Boss würde sie sich nie einlassen. Der hatte einfach nur nen Stock im Arsch. Auch wenn er noch so sehr auf tätowierten Bürgerschreck machte. Ein richtiger Spießer in Rockerkluft...
Aber Hank, ...na ja, eine gute Partie war er wohl kaum. Sonst würde er in seinem Alter nicht mehr hinterm Tresen stehen. Doch er war eine echt reale Type. Auch mit seinem grauen Bart und Haupthaar. Das war immerhin noch voll.
Einen Roadtrip mit ihm, konnte sie sich richtig geil vorstellen. Das konnte gewiss ihr Leben bereichern und versprach ein Abenteuer, wie sie es bisher noch vermisste. Sie hatte schon einige Jungs gehabt. Und auf die Dauer sollte ihr Kerl auch gleichaltrig und gutaussehend sein. Aber nen Kerl zum „Pferde stehlen“, war bisher noch nicht darunter. Von diesem Mann aber, konnte sie bestimmt noch eine Menge lernen. Und was den erotischen Teil anging: Er war kein Mann für die Ewigkeit. Aber sie war sich sicher, dass er ein paar echt abgefahrene Griffe drauf hatte. Und schämen würde sie sich an seiner Seite keinesfalls…
Mit diesem Bewusstsein schnallte sie sich ihre Schürze wieder um, ...und betrat gestärkt die Bar. Sie hätte gerne auch noch weiter gelauscht. Aber eigentlich hatte sie schon genug gehört. Plötzlich hatte sie einen neuen Schwung.

*

Unter der Woche schloss die Bar kurz nach Mitternacht. Die Mädchen wurden täglich ausgezahlt. Hank machte gerade die Abrechnung. Melly hatte sich ganz hintenangestellt.
„Danke, dass du dich heute Abend so nett für mich eingesetzt hast. Ich war traurig. Aber jetzt geht es mir wieder gut. Auf einen Drink haben wir wohl beide keine Lust mehr. Aber was hältst du davon, wenn ich dich gegenüber bei „Dingos“ auf eine schnelle Pizza zum Abendessen einlade. Von der vielen Rennerei bin ich hungrig. Und ich muss ja auch noch ein bisschen was für meinen „Babyspeck“ tun“, ...scherzte Melly augenzwinkernd.Hank stimmte breit grinsend zu. Sie hatte also einiges mit angehört. Lauschen, konnte man es wohl nicht nennen. Die Küche lag nun mal auf dem Flur direkt auf dem Weg zum kleinen Personalklo. Wo hätte sie denn zum Schluchzen hingehen sollen? Er verlor kein Sterbenswörtchen zum Thema. Freute sich aber sehr über den kleinen, unerwarteten Nachthupferl.

*

Fünf Minuten später saßen sie auf den fest montierten Drehhockern, der für ihre Einrichtung berüchtigten Schnellpizzeria ...und warteten auf ihre Bestellung.
„Scheiß Ambiente hier, ich weiß. Aber die Pizza ist echt lecker“, ...Melly verstand es durchaus, mit ihren Reizen zu spielen. Trotz der beengten Plastikgemütlichkeit gelang es ihr, geschickt ihre nackten Beine übereinander zu schlagen, ...und ihre verführerische Schenkelmuskulatur in Bewegung zu versetzen; ja sogar ein paar winzige Grübchen aus dem Schenkelfleisch zu pressen, um seinen Appetit anzuregen (denn sie hatte ja aufgeschnappt, dass er das mochte). Auch wenn sie nicht gelauscht hätte, sie wusste natürlich, wozu ihre engen Hotpents geschneidert worden waren…

Hank registrierte ihre Bemühungen aus den Augenwinkeln (und wusste sie sehr wohl zu schätzen). Melly registrierte, dass er registrierte; bewunderte aber gleichzeitig seine Gelassenheit. Er genoss ihr Spiel, ohne sich großartig etwas anmerken zu lassen. Seine Pupillen waren im Gespräch auf die Ihren gerichtet. Nur manchmal, ...und nur für Sekundenbruchteile, verirrten sie sich mal kurz mit dem Wimpernschlag unter den Tisch. In ihrer Altersklasse wären die Boys bereits durchgedreht. Hank blieb absolut cool. Und das machte Melly irgendwie unglaublich an…

*

Sie hatten ein Weilchen über den Vorgang in der Bar geplaudert, als auch schon die Pizzakartons an den Tisch gebracht wurden.
„Danke nochmal für deine Intervention. Ich weiß, dass ihr dicke Freunde seid. Aber der Chef ist ein Arsch. Und danke für den Eisbeutel. Schau mal. Alles Blau. Ohne Eis wäre es bestimmt noch viel dicker geworden. Ich glaube, morgen kann ich nicht arbeiten.“ ...Sie massierte sich theatralisch den Schenkel, bevor sie vom Plastikhocker aufstand.
„Komm, hier ist es zu ungemütlich. Drei Minuten von hier gibt es einen kleinen Park mit Ententeich. Da gibt es ein paar Bänke. Und beleuchtet ist es auch…

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Das spitze Bargirl

schreibt Huldreich

Lieber Peter Hu! Deine Geschichte hat was, ganz klar, mann muss eben nicht 20 sein für eine Bike-Tour. Herrlich und Danke! Ulrich Hermann

Gedichte auf den Leib geschrieben