Das Pärchen

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Das Pärchen

Das Pärchen

Regina Berlinghof

„Was soll ich im Tal des Todes? Nur Hunde und blöde deutsche Touristen kriegt man im Sommer nach Death Valley.“ Er tat gelangweilt.„Dann sind wir halt blöde deutsche Touristen! - Komm Pluto! Sei brav und folge Frauchen!“
„Brave Hunde kriegen einen Knochen, wenn sie folgen. Und was kriege ich?“ Henning knurrte sanft.
Sie lächelte ihn an. Er hätte sie auf der Stelle fressen mögen. Sie fuhren auf der Interstate 15 von Los Angeles nach Las Vegas. „Ihr müßt Las Vegas bei Nacht sehen!“, hatten die Freunde gesagt. Er war neugierig auf die Glitzerwelt, auf die Spielkasinos, auf die Menschen, die den Traum vom schnellen Geld träumten und ihre Ersparnisse verjubelten. Hundert Mark wollte er selbst riskieren. Das war das absolute Limit. Er hatte Vertrauen in sich, daß er rechtzeitig aufhören konnte. Er verstand nicht, was sie in die Wüste zu kahlen Bergen, Sand und Steinen zog. Und in die Hitze.
„Du kannst heute abend zehn Dollar mehr aus der Reisekasse in die Bingos schmeißen!“
Bei Baker verließ er den Highway und fuhr auf die kleine Land­straße nach Shoshone. Sie waren allein. Es gab nur noch die schnurgerade Straße, die auf die Berge zuführte, und die Berg­ketten links und rechts der Straße. Ein Stück lang ging es durch hügeliges Gelände. Sie fuhren Ser­pentinen hinauf und hinunter. Rote Felsenberge links, rote Felsenberge rechts. Dann lag die Straße wieder schnurgerade bis zum Horizont vor ihnen. Kein anderes Auto meilenweit. Nur Straße, nackte Berge, Felsen, Himmel. Der weite Raum.
Er spürte, wie er einen Steifen bekam. Er langte zu ihr hinüber. Sie hatte ein kurzes Kleid mit Spangenträgern an und keinen BH darunter. Er schlug ihr Kleid hoch und wühlte sich zwischen ihre Schenkel. Sie war feucht. Er mußte seine Hose lockern. Er spielte mit den Fingern an ihren Lippen, fand den Eingang. Er spürte ihre Lust. Der Tacho zeigte achtzig Meilen pro Stunde. Erlaubt waren fünfundfünfzig. Immer noch kein Auto, keine Siedlung weit und breit. Sie hielten an, stiegen aus, taten es im Stehen mitten auf der Straße.
Als sie wieder im Auto saßen und in der Einsamkeit weiterfuhren, kam es wieder. „Zieh ihn aus“, sagte er. Sie streifte den Schlüpfer ab, hatte das Kleid hochgestreift, die Beine geöffnet. Er zog einen Spangenträger über die Schulter, sie streifte das Oberteil ganz herunter, streckte ihre Brüste der Straße und den Felsen entgegen, die Brustspitzen prall und aufgerichtet. Kleine Galionsfiguren. „Das ist irrsinnig“, flüsterte sie. „Diese Wüste macht mich total high! Und völlig ohne Drogen!“ Sie führte seine Hand zwischen die Schenkel, dann beugte sie sich zu ihm hinüber, nestelte seine Hose auf und befreite sein eingeklemmtes Glied. Sie streichelten sich gegenseitig, bis sie es nicht mehr aushielten und wieder stoppen mußten.
Hinter Shoshone bogen sie zum Jubilee Pass ab. Ein paar Autos kamen ihnen entgegen: Touristen, die Death Valley durchquert hatten und es nach Südosten verließen. Anfangs schlug sie ihr Kleid herunter, hielt das Oberteil hoch und schob seine Hand weg. Er zog sein T-Shirt über den offenen Latz. Später war es ihnen egal. Ver­mutlich konnte man sowieso nichts erkennen. Sie sahen in den anderen Autos auch nur die Köpfe vorüberhuschen. Das Südende von Death Valley bis Bad Waters hatten sie wieder für sich. Sie fuhr, und er streichelte sie, bis das Auto fast über den Straßenrand hinaus­hopste. Sie liebten sich im breiten Tal des Todes. Die Hitze störte sie nicht. Die sengende Sonne, der Wind, so heiß wie aus einem Umluftfen, waren gerade so glühend wie ihre Körper. Später, im Artists Drive, dem aberwitzig buntgewürfelten Felsenbett, liebten sie sich wieder. Ein Auto fuhr fröhlich hupend vorbei. Sie winkten zurück.
In Furnace Creek kühlten sie sich mit Eiscreme und Riesencolas mit Eiswürfeln. „Für Las Vegas müßten wir allmählich aufbrechen“, sagte sie lustlos.
Er legte seine Arme um sie, die Hand streifte ihren Po. Sie hatte den Schlüpfer nicht mehr angezogen. Auch er trug seine Jeans auf der nack­ten Haut. Sie waren beide erregt. „Weißt du was? Wir ver­gessen Las Vegas und bleiben hier. Wir verbringen die Nacht hier draußen!“
Erschöpft und eng umschlungen lagen sie in der Nähe von Scotty’s Castle. Der Vollmond war untergegangen.
„Oh mein Gott!“, fuhr es aus ihm heraus, „das kann doch nicht wahr sein!“ Zum ersten Mal sahen sie die Lichter und Sterne einer Wüsten­nacht.
„Ich habe noch nie die Milchstraße gesehen!“, flüsterte sie. „Ich hatte völlig vergessen, daß es sie gibt!“
Die Scheinwerfer, Autogeräusche und Stimmen brachen gleich­zeitig über sie herein.
„Now look at that! Nude like my prick and fucking like the rabbits! Pick them up and get their identities! Fucking bloody tourists!“
„Fucking bloody German tourists, bet you!“[1])

[1] “Jetzt schau dir das an! Nackt wie mein Schwanz, und rammeln wie die Karnickel! Schnapp sie dir und nimm ihre Personalien auf! Verfickte Touristen­deppen!”
“Verfickte deutsche Touristendeppen, wetten?”

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