Das rote Haus mit dem Schieferdach

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Das rote Haus mit dem Schieferdach

Das rote Haus mit dem Schieferdach

Matthias Brockmann

Jahrhundertelang betriebenes Holzfeuer im Kamin hat die Steine mit einer dicken Rußschicht überzogen, Holzwände und Decke geschwärzt. Alles verströmt Stickigkeit. Das Feuer ist aus. Doch in der Hütte ist genügend Wärme für die Nacht. Vor dem einzigen Fenster, klein und die Scheiben seit Jahren ungeputzt, steht ein Tisch, davor eine Holzbank. Der Mann setzt sich. Robert spürt die Härte des Holzes. Der Mann legt seinen Kopf auf die aufgestützten Hände, schaut durch das Fenster in die Dunkelheit. Die Tischplatte riecht nach Speck. Erinnert den Mann, daß er Hunger verspüren müßte. In seinem Rucksack ist Proviant, Brot und Speck. Doch er ist zu faul, sich zu bewegen. Starrt weiter hinaus in die Dunkelheit, die für ihn durch die Gewöhnung durchdringlicher wird. Erst ist es nur ein kleiner Punkt, der größer wird, sich auf die Hütte zubewegt. Aus dem Punkt wird eine schwarze Fläche, die sich vor dem Hintergrund abhebt. Wird größer, länglicher, wird eine Gestalt, eine menschliche Gestalt. Wird größer, unterscheidbarer. Zwei Beine, der Kopf. Langes gelocktes Haar. Eine Frau. Deutlich hebt sie sich jetzt von der Umgebung ab. Sie muß schönes Haar haben, denkt der Mann, noch immer seinen Kopf in den aufgestützten Händen. Mit dem nächsten Schritt verschwindet die Frau aus seinem Blickfeld. Die Tür schreit in den verrosteten Angeln. Ein kühler Zug klarer, kalter Luft umweht ihn für den kurzen Augenblick bis zum nächsten Quietschen der Tür, läßt ihn erschauern. Die Silhouette der Frau steht kurz vor dem äußeren Grauschwarz der Nacht. Einige dumpfe Schritte. Ein Rascheln. Wahrscheinlich vom Rucksackabnehmen. Wieder Stille. Robert sieht den Mann weiter unbeweglich vor dem Fenster sitzen und hinausschauen. Die Frau hat sich auf eine Bank im hinteren Teil der Hütte gesetzt. Sie sitzt im Rücken des Mannes, ist für ihn nicht sichtbar. Der Mann hört ihren Atem und nimmt einen fremden, warmen Geruch in seiner Nase wahr.

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