Juan fürchtete seine Avancen gegenüber Isabella würden enden, wenn Mama weiter so viel sprach. Doch dann öffnete Isabella nach einer Stunde die Türe zur Zweitwohnung, wo sie und ihr Bruder lebte.
Die Palette an Gerichten und Kreationen, die Isabella über die nächsten Stunden für das Abendessen zubereitete war aussergewöhnlich. Mit jeder Handbewegung erfand der cuoco siciliano mit wundervollen Rohstoffen, Geschicklichkeit und präziser Suche nach visueller Darstellung eine Kunst an Düften, Farben, Formen für den Gaumen. Dabei sang sie Schlager aus einem halben Jahrhundert. Es war unmöglich zu sagen, was die Luft stärker erfüllte, die Aromen der Zutaten oder das herbe Sexaroma. Juan fühlte sich voller Leben, während Gustav immer schwermütiger wurde.
Der erste Gang, also das, was den grössten Hunger lindern und gleichzeitig die Spannung auf das Hauptgericht steigern soll, waren Sardellen, Tapani und Nudeln mit Schafskäse.
Für das Hauptgericht ging Juan Isabella zur Hand, indem er ein Huhn ausnahm. Als seine Hand in den Hohlraum des toten Tieres drang, konnte er sich nicht ein Schmunzeln verkneifen, sagte er sich doch immer, dass drei Dinge beim Eindringen in eine Frau besonders angenehm sind: die Körperwärme, die Feuchtigkeit und eine eng anliegende Scheide.
Von Zeit zu Zeit warf Isabella einen raschen Blick von ihren Kochtöpfen auf Juans Körper. Am meisten beeindruckte sie seine Haut, die zugleich glatt und rau, wie Wildleder oder feiner Sand wirkte, über seine Knochen und Muskeln sich spannte, nach ihr lechzte. Gern wäre sie zu ihm hinübergeeilt, hätte gebettelt, er möge ihr all die aufregenden Dinge zeigen, die ihn in Gedanken seit seiner Ankunft so erregten. Stattdessen konzentrierte sie sich wieder auf die Arbeit. Schnitt Pergamentpapier, wallte Ton zu einer dicken Platte aus, umhüllte das gewürzte Huhn damit, verschloss die Enden mit Erde.
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