Dauerregen

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Dauerregen

Dauerregen

Leif Larsson

Etliche Minuten lagen sie still und betrachteten schläfrig die Liebesakte im Film. Schließlich - die Erregung war längst einem tiefen Gefühl der Befriedigung gewichen - entsann sich Martin seiner Pflichten. Mit einer Serviette wischte er die schöne Bescherung von Ankes weiblichen Formen und reichte ihr ein Glas Wein.

„Im Bett wäre der Tag nicht halb so aufregend gewesen.“, meinte sie, als sie getrunken hatten.

„Da könntest du durchaus Recht haben, Liebes.“ pflichtete er ihr bei, wobei er mühsam ein Gähnen unterdrückte.

„Du bist müde, Schatz. Lass uns schlafen gehen.“

Sie fielen ermattet ins Bett. Bereits nach wenigen Minuten hatte sie das monotone Rauschen des Regens in tiefen Schlaf gewiegt.

*

Als Anke erwachte, war der Platz neben ihr leer. Sie hörte das Klappern aus der Küche und zog die flauschige Decke bis unter das Kinn. Gedämpft drang das trommelnde Geräusch des Regens durch die Scheiben, an denen das Wasser in dicken Rinnsalen herablief. Die Sonne musste bereits vor Stunden aufgegangen sein, doch unter der dichten, grauen Wolkendecke war es dämmrig wie an einem Herbstnachmittag.

„Na, gut geschlafen?“, erkundigte sich Martin und stellte das Tablett mit dem Frühstück mitten auf dem Bett ab. Anke räkelte sich wohlig unter ihrer Decke und sog gierig den Duft des frisch gebrühten Kaffees durch die geblähten Nasenflügel.

„Hör nur, es schifft und regnet in einem fort. Ich glaube, heute könnte ich wirklich den ganzen Tag hier im Bett liegen bleiben.“, gestand sie.

„Das wäre gegen die Abmachung.“, protestierte er und legte sich ihr gegenüber auf die Schlafstatt. Sie frühstückten, wie die alten Römer zu speisen pflegten: auf der Seite liegend, indem sie sich mit dem Ellbogen auf den Kopfkissen aufstützten. Martin schnitt Anke die Brötchen auf und goss Kaffee in ihre Tasse.

„Irgendeine Idee, was wir mit diesem verregneten Sonntag anfangen?“, wollte sie wissen und köpfte ihr Frühstücksei mit einem gekonnten Schlag mit der Messerkante.

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