„Erinnerst du dich an den Bodypainting-Contest auf der Beauty-Messe im Frühjahr? Du wolltest es unbedingt mal selbst ausprobieren. Wie wäre es, wenn ich dich heute in ein Kunstwerk verwandle? Das Zubehör liegt schon seit Wochen im Regal und wartet darauf, zum Einsatz zu kommen.“
„Oh Schatz, das ist eine prima Idee!“
Anke war sofort begeistert. Rasch räumte sie die Reste des Frühstücks ab während Martin reichlich Zeitungspapier auf dem Wohnzimmerboden ausbreitete und einen Barhocker aus dem Hobbykeller herbeischaffte. Er vergaß nicht, den großen Ankleidespiegel aus dem Schlafzimmer zu holen, damit Anke die Phasen ihrer Verwandlung mitverfolgen konnte.
„Hast du dir denn schon ein Motiv ausgedacht?“, erkundigte sich Anke neugierig, als sie auf dem Hocker Platz nahm und sich das lange Haar hochsteckte.
„Mit den Profis kann ich natürlich nicht mithalten. Dafür fehlen mir die Erfahrung und das Equipment. Aber dir eine virtuelle Bekleidung auf den Leib zu zaubern, traue ich mir durchaus zu.“
„Na dann! Bedecke meine Blöße mit Farbe. Was soll es denn werden? Ein knapper Bikini? Ein verführerisches Top?“
„Das wäre am einfachsten. Aber ich möchte dich so »anziehen«, dass du dich im Büro hinter deinen Schreibtisch setzen könntest, ohne aufzufallen. Jedenfalls wenn man nur einen flüchtigen Blick durch die Tür wirft.“
Gespannt setzte sich Anke auf dem Barhocker in Positur. Martin wählte einen blassen Schminkstift aus den Malutensilien und begann ungelenk, eine Skizze auf ihrer Haut zu entwerfen. Mit einem mokanten Lächeln auf den Lippen beobachtete Anke, dass ihn die künstlerische Auseinandersetzung mit ihrem Körper zu erregen schien, denn sein bestes Stück gewann dabei beträchtlich an Länge und Umfang. Den höchsten Grad an Härte und Steifheit zu erreichen hinderte ihn freilich die Konzentration, mit der er sich seiner anspruchsvollen Aufgabe widmen musste. Anfangs war er des Öfteren sogar gezwungen, mit einem Schwämmchen zu »radieren« und nachzubessern, doch mit der Zeit gewann er auf dem lebendigen Zeichenuntergrund an Sicherheit. Die zusehends kühneren Striche ließen alsbald den Entwurf erkennen.
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