Es sah ganz danach aus. Ich sprach ein stilles Gebet zu den Göttern des Waldes, bat sie um ihre Gnade. Der wichtigste Mann meines Lebens rang mit dem Tod, während mein endlich gefundener Bruder fast noch schlimmer dran war. Ich wollte sie nicht verlieren, keinen von beiden. Meine Hoffnung lag bei Shawnee, diesem weisen Indianermädchen. Wenn jemand die Leben dieser Männer retten konnte, dann war sie es.
Meine Dead Boys durften nicht sterben: weder mein Geliebter, noch mein kleiner Bruder. Ich musste warten, konnte rein gar nichts tun. Wenigstens waren wir hier in Sicherheit, zumindest vorerst.
Während Shawnee zwischen den Männern wechselte, die sie mit derselben liebevollen Hingabe behandelte, kam plötzlich Gretchen dazu. Wir hatten sie in eine Decke gehüllt, da sie ja völlig nackt und schutzlos den Wölfen ausgeliefert war. Jetzt streifte sie die Decke ab, kniete sich hüllenlos neben Stiv. Auf ihrem Po prangten die bösen Male des Schamanen, aber Gretchen schien sie kaum zu spüren. Es war unheimlich, fast schon übernatürlich, als sie ihre Hand auf Stivs blasse Haut legte.
Sie sprach in einer fremden Sprache, die sich sehr alt anhörte. Mir dämmerte es langsam. Gretchen wurde stärker, trug die Kraft der Mondgöttin in sich. Ihr weißer Busen berührte Stivs Gesicht, während sie kaum die Lippen bewegte. Alle sahen gebannt hin, außer Shawnee, die sich weiter um Jimmy kümmerte. Ich spürte, dass mein Bruder bei ihr in guten Händen war. Die Gewissheit, dass ich ihn nicht verlieren würde, wuchs mit jeder Minute. Stivs Augenlider zuckten, als Gretchen über ihm kniete. Es kam uns vor, als strahlte sie von innen heraus. Dieses junge Mädchen umgab eine magische Aura, die Stiv sofort erkannt hatte. Ich wusste nun, weshalb sie die Wölfe fürchteten. Sie würden uns aufspüren, ganz gewiss. Ich hoffte auf Gretchens Fähigkeiten. Sie war unsere einzige Chance. Die Göttin des Monds wachte über sie, verlieh ihr diese besondere Gabe. Würde sie es schaffen, den toten Jungs neues Leben einzuhauchen? Wir alle hofften, dass es ihr gelingen würde.
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