Marisa entdeckte einen Bach, dessen Wasser sauber zu sein schien. Die adlige Vampirfrau hockte sich in das kühle Nass, das sogleich ihre Lebensgeister weckte. Während die Gräfin sich ausgiebig badete, keimten Rachegedanken in ihr auf. „Gretchen glaubt sicher, dass sie mich töten konnte! Warte nur, Tochter des Mondes, bis wir uns wiedersehen. Ich werde dich bis aufs Blut peitschen, um dich dann in die Hölle zu schicken!“ Hass flackerte aus ihren dunklen Augen. Marisa zog sich das schlichte Kleid über. Sie musste Kraft sammeln und warten, bis die Verletzung ausheilte. Marisa gehörte zu den mächtigen Kreaturen der Finsternis. Eine silberne Klinge hätte bei einem einfachen Vampir genügt, um ihn zu töten. Marisas Widerstandsfähigkeit machte dies unmöglich, wenngleich Gretchens Stich Wirkung gezeigt hatte. Das Blut der Lupusqua brachte Marias Kräfte zurück. Die klaffende Wunde war kaum noch zu sehen, als die Gräfin ihren Racheschwur zwischen die Baumwipfel schrie. Einige Krähen flatterten aufgeregt davon, während die anderen Waldtiere keinerlei Interesse an diesem Zornesausbruch zeigten. Marisa stapfte wütend durch das Unterholz, das sie bezwingen musste, um zu Candaras heiligem Berg zu gelangen.
Gretchen bahnte sich zur gleichen Zeit den Weg zu Candaras Wohnstatt. Sie rechnete mit einem erneuten Angriff. Gretchens Feinde mussten alles daran setzen, um ihren erneuten Aufstieg zu verhindern. Gretchen fühlte sich schwach. Sie brauchte Nahrung, die ihr nur ein lebendes Wesen geben konnte. Star reichte der Trank, der Gretchens Not nur wenig lindern konnte. Die Mondgöttin konnte auch nicht auf ihre besonderen Fähigkeiten zurück greifen. Einem Adler gleich auf den silbernen Gipfel fliegen, dies hatte sie sich vorgestellt. Nun kauerte Gretchen geschwächt am Fuße des Bergs, während Star durch ihr rotblondes Haar strich. Gretchen spürte, dass Wölfe in der Nähe sein mussten.
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