Die unzüchtige Nora

alter Titel: "Dehnübungen"

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Die unzüchtige Nora

Die unzüchtige Nora

Wulff Triebsch

“ Sie hauchte einen Kuss auf meine Wange. „Wulff? Bitte sei lieb zu mir! Ich bin es zu dir doch auch“, flüsterte sie mir zu.
Ich wusste nicht, wie ich darauf reagieren sollte; ich weiß nicht mehr, wie lange wir stumm auf dem Deck nebeneinander standen. Nur dass ich sie einfach in meiner zornigen Ratlosigkeit stehen ließ und in meine Kabine flüchtete.

Ganz dumpf, aber deutlich vernahm ich wenig später ein Schluchzen aus dem Nachbarraum, mehr ein Weinen. Kurz danach öffnete sich die Zwischentür; Nora stand vor mir, nur mit einem Bademantel bekleidet, die Augen rot verweint. Sie kam zu mir, gab mir einen Kuss und drängte mich zum Bett, auf das wir vereint sanken. Sie zog meine Hand zwischen ihre Schenkel, presste meine Finger auf ihre Schamlippen. Was ich dort tun sollte, brauchte sie mir nicht zu erklären. „Es mit jemanden zu machen, den man liebt, ist besonders erregend“, hauchte sie und beugte sich ganz nah an mein Ohr. „Ich hab‘ dich lieb, Wulff! Das wollte ich dir vorhin zu verstehen geben.“
Erst jetzt dachte ich daran, dass sie doch eigentlich gegenüber in der Kabine ihres Mannes sein sollte, um ihre masochistischen Neigungen vom Pferdetrainer befriedigen zu lassen. „Wieso bist du hier und nicht drüben?“, fragte ich. Sie strich mir über die Wange. „Irene vertritt mich, Liebling!“ Ich schaute sie erstaunt an. „Irene lässt sich dort drüben an deiner Stelle fesseln und auspeitschten?“ Nora nickte. „Eleonora reicht mir für meine Neigungen.“
„Eleonora dieser marode Kahn?“ Sie nickte und erzählte, dass sie, ihr Mann und der Pferdetrainer ihr Geld in ein Kreuzfahrtschiff gesteckt hatten, das sie 'Eleonora' getauft hatten, in der Annahme, das sich davon ihr Vorname Nora ableitete, was sich aber als falsch erwies. Sie brauchten mehr Geld als sie hatten, um es zu betreiben. Ihre Bank ließ ein Gutachten anfertigen, nach dem dieses Wrack hätte stillgelegt werden müssen: An Bord lauerten überall Gefahren, kein Brandschutz gewährleistete die Sicherheit der Passagiere, die Türen für die Fluchtwege waren verstellt, die Bettwäsche wurde zu selten gewechselt, weil die Bordwäscherei häufig ausfiel.

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