„Ich hoffe, Sie hatten eine ruhige Nacht. Der Schiffseigner persönlich ist an Bord. Wir haben ihn in der Suite direkt neben Ihrer untergebracht. Er schnarcht laut, meint seine Frau. Ich hoffe, er hat sie nicht allzu sehr gestört.“ - „Ich habe nichts gehört“, entgegnete ich leise und folgte ihm zu einem Tisch, an dem bereits eine Frau und ein Mann saßen, ein schlanker sportlich wirkender Mann mit Glatze und eine hochgewachsene Frau, die mich anlächelte, als ich neben ihr Platz nahm.
„Herr Triebsch!“, stellte der Steward mich vor. Kaffee wurde serviert; auch Brot, Brötchen und Croissants brauchten wir nicht vom Büffet zu holen, alles stand zusammen mit Butter und Aufschnitt vor uns. „Wünschen Sie sonst noch etwas?“
Den Wunsch, den ich hatte, konnte mir der Steward ganz gewiss nicht erfüllen: Ich hätte zu gerne gewusst, ob die beiden neben mir das Paar von gestern Abend in meiner Nachbarkabine waren.
„Welche Kabine haben Sie?“, fragte die Frau, als hätte sie meine Gedanken erraten. Ich nannte ihr die Nummer und beobachtete dabei ihr Mienenspiel. Wenn sie das Paar waren, musste es ihr sehr peinlich sein, dass ich in der Nachbarkabine alles mit angehört hatte. Doch über ihr Gesicht huschte nur ein kaum merkliches Lächeln, mehr ein Schmunzeln. Ich war mir sicher, dass nicht sie die Frau mit der hellen Stimme gewesen war, und der Mann neben ihr war gewiss auch nicht dabei gewesen.
Mein Blick fiel auf ein Emblem an seiner Jacke, auf ein springendes Pferd. „Ich bin Pferdetrainer in einem Gestüt“, klärte er mich auf, als er meinen Blick darauf bemerkte. „Und Sie?“, wollte er wissen. „Friseurmeister! Ich leite einen Schönheitssalon“, erwiderte ich - „Da haben wir einiges gemeinsam.
Sie kümmern sich um Frauen, ich trainiere Pferde. Man muss beide rechtzeitig an eine harte Hand gewöhnen, damit sie nicht unzüchtig werden.“ Er schaute dabei die Frau neben mir an, die einen unüberhörbaren Seufzer ausstieß.
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