Ich spürte, wie sie sich plötzlich an mich lehnte, erst nur ihre Schultern, dann legte sie sogar ihren Kopf auf meine Brust. Ich umarmte sie und dachte wieder an die Erzählung Irenes, in der eine nackte Frau, die auch Nora hieß, hilflos gefesselt zwischen Seilen gespannt war, und mit einer Rute gepeinigt wurde. „Alles in Ordnung?“, fragte ich. Sie kuschelte sich enger an mich. „Ja!“, hauchte sie.
Wie lange wir eng umschlungen stehen blieben, weiß ich nicht mehr. „Sind wir schon oben?“, fragte sie leise, als ich bereits die Oberkante der Schleusenmauer erblickte und die ersten Sonnenstrahlen wieder auf uns fielen. Sie löste sich fast widerwillig aus meinen Armen; ihre Wangen nahmen wieder Farbe an. „Entschuldigung!“ Sie blickte mir direkt in die Augen. „So behütet habe ich mich lange nicht mehr gefühlt.“ - „Warum machen Sie das nicht öfter?“ flüsterte ich ihr zu. Sie strich mit einer Hand über meine Wange. „Das frage ich mich jetzt auch.“
Ich vernahm ein Räuspern, das störende Räuspern einer dunklen Stimme. Ihr Mann, der Reeder, stand vor uns, daneben Irene, in einem superknappen Jeanshöschen, das ihre Schenkel bis zum Ansatz ihrer Schamhaare bloßstellte. Es war ihr sichtlich unangenehm, dass er sie vor den Augen seiner Frau umarmt hielt.
Er schien sorgfältig zu überlegen, was er sagen wollte. „Ich finde es gar nicht gut, dass Sie meine Nachbarkabine belegt haben“, erklärte er zu mir gewandt.
„Mein Reiseleiter hat sie mir zugewiesen.“ - „Ich weiß. Deshalb habe ich auch schon mit ihm gesprochen. Sie ziehen um!“ Seine Stimme klang entschlossen und kühl. - „Wohin?“, fragte ich. „Sie können Ihre ursprünglich gebuchte Kabine haben. Der Aufpreis wird Ihnen selbstverständlich erstattet.“ Irene hatte sich aus seiner Umarmung gelöst und sich einen Schritt von ihm entfernt. Sie blickte mich lange an, als wollte sie mir mitteilen, dass sie sich keinesfalls an diesen Mann gebunden fühlte.
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