Er war zärtlicher, als ich es ihm auf den ersten Blick zugetraut hätte. Geschickt bespielte er meine Vulva, und ich bedauerte es einen kurzen Moment lang, dass wir uns an der Uni zwar im Aktzeichnen übten, aber pornographische Darstellungen tabu waren. Man stelle sich vor... ich, auf einer kleinen Drehbühne, von zwei Männern genommen und von 50 Kommiliton:innen gezeichnet. Dann drang Stephen mit einem Finger in mich ein. Er wusste genau, was man mit einer Vagina anstellen kann, wenn man an den richtigen Stellen reibt und drückt. Druck und Reibung. Druck und Reibung. Ruhig und konstant trieb Stephen mich ins Nirwana, bis ich zum ersten Mal kam. Ich drückte Marcs Hand und fühlte mich geborgen. Was ich hier tat, war kein Fremdgehen, mein Freund war ja anwesend. Und so konnte ich mich hemmungslos hingeben – einem Liebesspiel, das sich lange in den Abend hineinziehen würde. Als Stephen endlich seinen Schwanz in mich schob, war ich weich wie Butter – und wurde noch weicher und zugänglicher, als er mir einen Finger in den Anus schob. Analverkehr hatten Marc und ich noch nie praktiziert, und ich wusste nun nicht, ob es mit dem Nachbarn, in Anwesenheit meines Freundes, sogar zu einer Analpremiere kommen würde. Ob Marc das zuließ. Ich selber hatte im Moment nichts dagegen. Absolut nichts. Stephen atmete immer heftiger, während Marc in meinem Rücken sehr ruhig blieb. War er am Meditieren? Sex, in seiner Rhythmik, hat ja in der Tat etwas Meditatives.
Dann trieb mich Stephen in den Hades. Ein Running Gag unter Kunststudierenden. „Ich möchte Dich mal wieder in den Hades treiben“ war ein Code unter uns Kommilitonen für hemmungslosen, gemütlichen Sommersex unten am Fluss. Solche One-Night-Stands gönnte ich mir ab und zu – ohne das Wissen von Marc. Sommersex ist nichts Verwerfliches oder Böses, und mein Körper gehört ja mir. Aber der Geist einer Studierenden hat zwischendurch ein Recht auf Entspannung.
Dem Candaulismus verfallen
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