Am Anfang war ich viel braver, als mir heute lieb ist. Nicht nur im Leben, sondern auch im Bett – und, wie du hier gleich sehen wirst, sogar in meinen Erinnerungen. Ich habe mich auch lange nicht getraut, sie wirklich auszuschreiben: das, was ich gespürt habe, wo ich berührt worde, wie Lippen geschmeckt haben. Aber keine Sorge – diese Schüchternheit habe ich ziemlich bald abgelegt. Und irgendwann habe ich begriffen, dass man manche Dinge nicht nur erleben, sondern auch erzählen darf. Und dass es manchmal gerade das Aufschreiben ist, das sie noch einmal auf der Haut spürbar macht.
Aber fangen wir von vorn an. Kurz bevor ich zu studieren begonnen habe, war Schluss mit meinem damaligen Freund. Kein Drama, kein Tränenmeer – eher ein erleichtertes Aufatmen. Ein lieber Mensch, eh klar. Nur leider so aufregend wie ungesalzene Erdäpfel. Ich hab’s ihm nie übel genommen. Er konnte ja nichts dafür, dass mich irgendwann einfach – nichts mehr gereizt hat.
Mein Ex – nennen wir ihn der Höflichkeit halber „Tom“ – war dieser klassische „an dem passt eh alles“-Typ. Kennst du das? Alle sind zufrieden: die Eltern, weil er ein „anständiger junger Mann“ ist, die Freundinnen, weil er „verlässlich“ wirkt, und du selbst redest dir ein, das müsse wohl Liebe sein.
Er war nicht brutal, nicht gemein, nicht einmal wirklich fad – er war einfach brav. Zu brav, wie ich später verstanden habe. Unsere Dates? Immer nett, aber vorhersehbar: Kino, Pizza, höflicher Sex mit Licht aus und dem obligatorischen „Passt das so?“. Unschuldig, freundlich – und furchtbar harmlos. Irgendwann ertappte ich mich dabei, beim Sex über den morgigen Einkauf nachzudenken. Spätestens da hätte mir klar sein sollen, dass das nichts auf Dauer wird.
Aber das eigentliche Problem war nicht er. Es war ich.
Der Anfang von allem
Aus dem Nähkästchen geplaudert
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Der Anfang von allem
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