Der Anfang von allem

Aus dem Nähkästchen geplaudert

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Der Anfang von allem

Der Anfang von allem

Leni Trattner

In manchen Dingen bin ich altmodisch – und ja, das geb ich offen zu, auch beim Sich-Vorstellen. Ich finde, wer etwas erzählen will, sollte wenigstens sagen, wer da redet. Alles andere gehört sich nicht. Das hab ich von meinen Eltern gelernt, und die wiederum von ihren Eltern – also meinen Großeltern.
Die hätten allerdings nie gedacht, dass ich mich jemals hier vorstellen würde – in einer Geschichte, die man wohl unter der Rubrik „gehobene Freizügigkeit“ einordnen müsste. Aber gut, das Leben hat seine Überraschungen. Und sie werden ja hoffentlich nie davon erfahren.
Also: Ich bin Leni. Zumindest für euch. Mein richtiger Name bleibt im Dunkeln – glaubt mir, er klingt ziemlich ähnlich. Doch dass er unbekannt bleibt, ist wohl besser so.
Was ich euch erzählen will, ist kein Märchen, aber auch kein Tatsachenbericht. Es ist Erinnerung, Fantasie und ein bisschen Mut in derselben Schublade. Die Geschichte einer Frau, die ein wenig zu brav begonnen hat – und irgendwann beschlossen hat, das zu ändern. Wie ich zu der wurde, die ich jetzt bin: jemand, der viel erlebt hat und keine Scheu mehr, das aufzuschreiben und zu teilen. Nicht aus Stolz, sondern aus dem Wunsch, Erfahrungen lebendig zu halten, indem man sie teilt.
Ich bin jetzt Mitte vierzig. Zumindest steht das so in meinem Pass. Gefühlt stimmt’s nicht, und die Zahl überrascht mich selbst immer wieder. Innerlich bin ich immer noch die, die damals mit großen Augen durch Wien spaziert ist – nur mit besserem Haarschnitt. Und mit dem Wissen, sowie dem Geld, sich ordentliche Haarpflegeprodukte zu leisten. Manchmal sehe ich mir Fotos von früher an und frage mich, wann genau aus diesem neugierigen Mädel eine Frau geworden ist, die glaubt, sie hätte schon alles gesehen. Nur um dann festzustellen, dass das nicht stimmt – und mich darüber zu freuen, was das Leben noch bereithält.

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