Der Apfelpo

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Der Apfelpo

Der Apfelpo

Sven Solge

Doch kaum war ich vom Buffet zurück und hatte es mir an meinem Tisch gemütlich gemacht, stand sie schon neben mir und hielt mir die Hand hin: „Ich möchte mich für meine unfreundliche Art entschuldigen, aber ich war so geladen wegen Mathes, dass ich es an dir ausgelassen habe. Kannst du mir verzeihen?“
Ihre Hand schwebte vor mir, aber es kostete mich Überwindung sie zu ergreifen! „Schon gut, ich habe ja gemerkt, dass deine Wut nicht mir galt.“ Während ich ihre Hand ergriff, erhob ich mich, wie es die Höflichkeit gebot und stand nun sehr dicht vor ihr. Ihre Hand war sehr kalt, wahrscheinlich noch vom Wasser im Pool, fühlte sich aber trotzdem sehr gut an, da mir kalte Hände im Allgemeinen sympathischer waren als warme, feuchte Hände!
Sie schaute mich mit ihren dunkelbraunen Augen prüfend an und fragte dann: „Darf ich mich zu dir setzen, wenn ich mir mein Frühstück geholt habe?“
Ich nickte und deutete auf den freien Stuhl mir gegenüber. „Natürlich, aber wird dein Freund dann nicht böse sein, wenn er wieder allein Frühstücken muss?“
„Wir haben uns getrennt, er ist gestern Abend noch zu dem anderen Hotel umgezogen, das er für sich ja sowieso ausgesucht hatte! Bis gleich!“, sagte sie, es schien ihr nichts auszumachen, dass ihr Freund sie verlassen hatte. Sie wandte sich ab und ging zum Buffet.
Wenig später erschien sie mit einer Schale Müsli und einem Becher Kaffee.
Sie rührte nachdenklich in ihrem Kaffeebecher und ich spürte, dass da gleich eine Frage auf mich zukommen würde und ich sollte nicht lange darauf warten: „Bist du schwul?“, fragte sie so direkt, dass ich fast vergaß weiter zu kauen. Ich machte meinen Mund leer, indem ich einen Schluck Kaffee trank, bevor ich antworten konnte: „Du redest nicht lange um den heißen Brei herum?“, sagte ich lächelnd. „Nein ich bin nicht schwul, wäre es denn schlimm, wenn ich schwul wäre?“
Sie schüttelte ihren Kopf: „Nein, ich habe nichts gegen Schwule, nur ich verschwende nicht meine Zeit und stelle erst später fest, dass ich mit dir nichts anfangen kann.“
Ihre Offenheit verblüffte mich, ich war noch nie einer Frau begegnet, die so genau wusste, was sie wollte.
„Und was denkst du, mit mir anfangen zu können?“, fragte ich jetzt genauso direkt zurück.
Sie schaute mich mit ihren schönen Augen an und ich merkte, wie es hinter ihrer Stirn arbeitete. Sie hatte ihren Löffel mit Müsli auf halber Höhe zum Mund gestoppt und meinte dann, mit einem spöttischen Lächeln: „Vielleicht könntest du meinen Loser Mathes ersetzen? Du scheinst zu wissen, was einer Frau guttut!“ Sie setzte ihre Bewegung fort und schob sich den Löffel zwischen die Lippen. Ich verfolgte, wie ihre schmalen Lippen sich um das Metall schlossen und sie ihn bewusst langsam wieder rauszog, sodass sich ihre Lippen am Metall des Löffels kräuselten. Dabei beobachtete sie mich genau!
„Ein Euro für deine Gedanken!“, sagte sie und ich fühlte mich ertappt, reagierte aber schlagfertig!
„Erst das Geld, dann meine Gedanken!“

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