Der falsche Zahnarztstuhl

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Der falsche Zahnarztstuhl

Der falsche Zahnarztstuhl

Emil Lorenz

Die Zahnklinik in Mainz war integriert in einem riesigen Komplex aus unterschiedlichen Abteilungen in unterschiedlichen Stockwerken, auf unterschiedlichen Seiten der einzelnen Stockwerke. Alle hatten eines gemeinsam. Man konnte sich die lateinischen Fachbegriffe nur sehr schwer merken. Für mich als zurückgebliebenes Fremdsprachentalent ein zusätzliches Manko. Was ich sicher wusste: Ich musste in das 4. von 7 Stockwerken. Ich hatte vor einigen Wochen den Sporttauchschein gemacht und benötigte jetzt noch eine ärztliche Untersuchung der Ohren und der Zähne. Da es für mich der einfachere Weg war, hatte ich gleich einen Termin hier in der Zahnklinik vereinbart, weil HNO auch im selben Haus war. Den Empfang fand ich noch ohne Probleme, er war zentral im Erdgeschoss direkt beim Haupteingang. Die etwas füllige Dame hinter dem Tresen beäugte mit unverhohlenem Desinteresse meine Unterlagen und nuschelte etwas vom 4. Stock links halten. Ich ging federnden Schrittes Richtung Aufzüge und erreichte kurze Zeit später, auch wie zu erwarten war, den 4. Stock. Dort herrschte brache Einsamkeit. „Links halten“, hatte die Grazie gesagt. Links waren aber nur zwei sehr große Türen mit undurchsichtigem Milchglas und der Aufschrift „Zutritt verboten“. Also dann erst rechts und dann eben links halten. Ich marschierte den ellenlangen Gang hinunter und erblickte tatsächlich hin und wieder einen wartenden Patienten auf schlichten Stühlen in dem kahlen Flur. Am Ende des Gangs bestand, oh Wunder, die Möglichkeit, sich links zu halten, was ich auch tat. Eine schwere Glastür, welche sich aber ohne größere Anstrengungen öffnen ließ, gewährte mir schließlich den Eintritt in den Zahnklinik-Bereich. Bedauerlicherweise war hier kein Mensch zu sehen. Ich wollte schon wieder umkehren, da öffnete sich links von mir eine Tür.

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