Eigentlich war alles eindeutig gewesen. Ihr Leben, ihre Entscheidungen, sogar ihre Beziehung zu Flo – Dinge, die sie sich erarbeitet, durchdacht und bewusst gewählt hatte. Eigentlich war sie nicht lesbisch und doch begann genau diese Klarheit zu bröckeln, nicht laut oder dramatisch, sondern leise, fast unmerklich, wie ein Riss, der sich erst zeigt, wenn man genauer hinsieht.
Der Duft von Klara lag noch immer in der Luft, schwer und warm, vermischte sich mit dem Dampf und der Wärme des Wassers, und Sophie hatte das Gefühl, ihn nicht nur zu riechen, sondern ihn zu spüren, als wäre er Teil dieser seltsamen neuen Wahrnehmung.
Ein leises Stöhnen entwich ihren Lippen, als Klara mit ihren Lippen ihre Brust berührte und sanft daran saugte.
Ihr Körper wollte nur noch eines – dass Klara weitermachte. Sophie löste sich von ihr, nicht hastig, nicht kühl, sondern mit einer Selbstverständlichkeit, die Klara mehr irritierte als jede Zurückweisung es hätte tun können. Ein Schritt zurück, ein Blick, der länger blieb, als er musste.
„Je öfter man mich abweist“, sagte sie leise, ohne Vorwurf, eher wie eine beiläufige Feststellung, „desto interessanter wird es für mich.“
Sie machte eine kurze Pause, ließ den Blick noch einmal über Sophie gleiten, bevor sich ein kaum merkliches Lächeln in ihre Stimme legte.
„Manchmal merkt man erst, dass etwas nicht passt … wenn man erlebt hat, wie es sich anfühlen kann, wenn es stimmt.“
Dann wandte sie sich ab, öffnete die Tür und verschwand im Dunst, als wäre sie nie ganz Teil dieser Szene gewesen.
Langsam ging Sophie zu Spiegel. Zögernd hob sie die Hand und strich über das Glas, bis ein Teil ihres Gesichts sichtbar wurde, und für einen Moment erkannte sie sich selbst kaum wieder, weil dort nicht die kontrollierte, souveräne Frau stand, die sie aus dem Büro kannte, sondern jemand, der etwas zugelassen hatte, ohne genau zu wissen, wann es begonnen hatte oder warum es sich so richtig angefühlt hatte.
Zurück blieb nur das Rauschen des Wassers.
Und ein Gedanke, der sich nicht mehr so leicht verdrängen ließ.
Von diesem Tag an telefonierte sie immer seltener mit Flo und ohne, dass sie es zunächst bewusst wahrnahm, spürte sie, wie die Verbindung zwischen ihnen mit jedem Gespräch ein wenig schwächer wurde. Nach einiger Zeit wurde ihr klar, dass ihre Beziehung nicht mehr zu retten war.
Der Flügel – Rausch der Musik
Sophie von Wolfenstein - Teil 7
7 12-19 Minuten 0 Kommentare
Der Flügel – Rausch der Musik
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