Prolog - Der Geheimtipp

"Das kleine Teehaus" in Kyoto

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Prolog - Der Geheimtipp

Prolog - Der Geheimtipp

Joana Angelides


Die Bridgetische waren am rückwärtigen Teil des Gartens angesiedelt, damit die Damen, die am gesellschaftlichen Teil nicht wirklich teilnehmen wollten, ungestört sein konnten.

Zum vereinbarten Massagetermin wurde man von einem der Mädchen diskret geholt und in die Massageräume geführt. Immer war man von neugierigen Blicken verfolgt, denn die verbliebenen Damen hätten zu gerne gewusst, welchen Masseur man wählte und vor allem, welche Variante. Der beliebteste und meistverlangte Masseur für die zweite Variante, die Entspannungsmassage, war Tao Tanaka. Wenn sein Name fiel, dann erröteten manche Damen unwillkürlich oder bekamen glänzende Augen. Er war der absolute Star unter den Masseuren, war einfühlsam, fantasievoll in der Wahl seiner Methoden und sehr, sehr ausdauernd.
Tao Tanaka war Japaner, eigentlich war er Dirigent, Pianist, Geiger, Cellist, alles in einem und erst in zweiter Linie Japaner und Masseur.

Alles in seinem Leben war Musik, jedes Geräusch, jeder Ton, jeder Mensch bestand für ihn nur aus Noten und Harmonien. Und er kann sie klingen lassen, wie kein anderer.

Unter der Hand hörte man von „Pediküre“ mit Möwenfedern, Ganzkörperbehandlung mit Pinseln aus Marderhaaren oder Massagen mit warmen Ölen, die in den Nervenbahnen Tausende Ameisen aktivieren sollen.

Seine Methode, den Körper mit einzelnen Eiswürfeln wieder zu beruhigen, war zwar ein wenig umstritten und es schüttelte einige der Frauen noch im Nachhinein, sie zogen meist die Schultern zusammen und schlossen für Sekunden die Augen. Man konnte das dann deuten, wie man wollte.

Manche lagen im Anschluss noch lange auf den Ruhebetten, denn es dauerte eine Weile, bis sich der Körper beruhigte und sich die einzelnen, zuckenden Muskeln und Sehnen entspannten.

Wenn ich dann, eingehüllt in den warmen, weichen Bademantel, auf meiner Liege lag und vor mich hindöste, überlegte ich schon wieder, wann ich mich für einen neuerlichen Termin bei Tanaka eintragen lassen konnte.

Obwohl, man sollte auch einmal den Inder Naseht Bahma ausprobieren. Seine verschiedenen Methoden aus der indischen Vereinigungslehre des Kamasutra sind sehr erfolgreich und werden noch Tage danach im ganzen Körper nachempfunden.

Interessant, wenn er erzählt, dass es einen Maharadscha gab, der einer Dienerin bisweilen befahl, seine Frau in duftendem Rosenwasser zu baden. Sie mit wohlriechenden Ölen am ganzen Körper, in allen Körperöffnungen und an allen empfindlichen Stellen zu massieren. Und sie dann den ganzen Nachmittag, am Bett liegend mit feinen, seidenen Tüchern in vielen prächtigen Farben, zu berühren und diese über sie streichen zu lassen. Ohne Pause und ohne Unterlass. Diese Tücher hatten mit Metallfäden durchwirkte Fransen, die tiefgehende Schauer unter der Haut erzeugten.

Wenn der Maharadscha dann abends von der Jagd nach Hause kam, begab er sich ins Schlafgemach und nahm seine vom Zittern geschüttelte Frau in den Arm.

Der Unterschied zwischen Tanaka und Naseth Bahma war, dass Tanaka es vorzog, möglichst wenig zu sprechen, Naseth Bahma sich aber gerne unter die Damen mischte und solche Erzählungen zum Besten gab.
Naseht Bahma soll gelbe und rote Schleier bevorzugen.

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