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Im Betrieb allein losziehen durften Leon und Clara mit dem Bollerwagen nicht. Aber überall, wo sie in Heikes Begleitung hinkamen, wurden sie freudig begrüßt. Wie schon im Jahr zuvor gab es Gummibärchen, Schokolade, jede Menge Münzen und auch einige Fünf-Euro-Scheine. Heike musste nichts machen. Die Kinder kannten sich aus. Und sie verteilten die Stiefel großzügig. Aber mindestens ein Drittel der Belegschaft war noch im Ausland bei den beiden großen Projekten beschäftigt. “Die lagern wir in Pats Büro!” antwortete Clara auf Heikes Frage, wohin mit den übriggebliebenen Geschenke-Stiefeln. Leon sicherte sich nicht nur seinen Nikolausstiefel, sondern einen zweiten. “Für meinen Freund Jannik!”, meinte er mit umwerfend liebenswerten Blick.
Martin brauchte, um die österreichische Dependance auf den technischen Stand der Firmenzentrale hier zu bringen noch zwei größere Maschinen und jede Menge an Investitionsmitteln für eigentlich jeden Bereich. Er hatte seine Bereichsleiter, wie wir wissen sechs an der Zahl, Wochenweise nach Österreich abgestellt, um den Betrieb schnellstmöglich in der selben Rentabilität betreiben zu können wie den Hiesigen.
Extrem vorteilhaft hatte sich die Übernahme zur Jahresmitte erwiesen, da durch geschickte Produktionsaufteilung die Großaufträge, die Pat, Andreas Gerstmeier und der Firmenchef selbst an Land gezogen hatten, beschleunigt fertiggestellt werden konnten. Dies wiederum sparte der Firma extrem viel Geldmittel, die sie nun zusätzlich investieren konnten.
Martin wollte aber langfristig den Standort Hallbergmoos eigenständig halten. Das hieß, dass man nicht auf Zulieferungen aus der österreichischen Dependance angewiesen wäre, sondern alle Komponenten weiterhin selbst produzieren würde. Seine Idee war, Standardaufträge in Österreich abzuarbeiten und die kniffligeren Sachen hier in der Firmenzentrale zu bearbeiten. Die Versuchsabteilungen wären damit in der Dependance nicht mehr, wie bei einer eigenständigen Firma, von nöten.
Patricia war mit Martin vollkommen einer Meinung. “Wir werden noch konkurrenzfähiger!”, schwärmte sie und nahm Martins Dank, die Übernahme so forciert zu haben, nur zu gerne entgegen.
Zwei Wochen noch, dann sollten die Arbeiten in Brasilien abgeschlossen sein und die Anlagen laufen. Das wäre der letzte Zeitpunkt für einen Rückflug der ganzen Truppe, um rechtzeitig noch vor Weihnachten wieder im heimischen Bayern zurück zu sein. Patricias Drohung, gemeinsam “Last Christmas” fernab der Heimat zu singen, anstatt die Feiertage im Kreis der Familie zu verbringen, stand noch immer im Raum. Dass der Rückflug für alle Angestellten bereits gebucht war, behielt Pat für sich. Aber auch der leitende Ingenieur Thomas Müller war zuversichtlich, die Arbeiten im Laufe oder noch vor dem 21. Dezember abgeschlossen zu haben.
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