Der letzte Tag

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Der letzte Tag

Der letzte Tag

Yupag Chinasky

Jedenfalls hörte sie nicht auf zu jammern, er solle noch bleiben, dabei drückte ihre Hand seinen Oberschenkel, und in ihren Augen erschienen ein paar Tränchen, die wiederum auch bei der Dicken nasse Augen hervorriefen. Aber trotz allen Abschiedsschmerzes, sei er vorgetäuscht oder echt, ließ er sich nicht erweichen, änderte seine Absicht nicht und gab ihr auch kein weiteres Scheinchen. Sie gaben schließlich auf, vermutlich auch, weil sich die Bar langsam füllte. An einigen Tischen saßen schon einsame, sexhungrige Männer, die nur darauf warteten, angesprochen und verführt zu werden. Der Abend würde für beide munter weitergehen, da musste er sich keine Gedanken machen. Und auch sie wussten das und hielten bereits Ausschau nach einem potenten Nachfolger. Noch ein langes Händeschütteln, noch eine innige Umarmung, noch ein paar heiße Küsse auf den Mund, abwechselnd und intensiv, und dann stand er allein auf der Straße und hielt nach einem Taxi Ausschau.

Das Taxi setzte ihn vor dem Haus der Tante der Dünnen ab. Denn was hatte sie ihm ins Ohr geflüstert, als sie ihm gestern einen Abschiedskuss gab? „Komm morgen Abend und bleibe die Nacht bei mir“, hatte sie geraunt, „ich warte voller Sehnsucht auf dich. Mein Haus ist offen und mein Körper auch, er will dich noch einmal spüren. Ich versüße dir die letzten Stunden, du wirst es nicht bereuen. Was sind schon diese jungen Hühner gegen mich, eine erfahrene, nach Liebe lechzende Frau?“ So oder so ähnlich hatte sie geredet und ihm damit den Floh ins Ohr gesetzt, den er nicht mehr losgeworden war. Denn sie hatte ja recht, was waren die gegen sie? Diese halbreifen Pflaumen gegen diese reife Melone, voller Süße und Aroma, bereit, von ihm gepflückt zu werden. Er würde zu ihr kommen, das wusste er schon beim Aufwachen.

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