Ältere Damen, sehr gepflegt, sehr wohlhabend, die sich hier im Sprüngli trafen — genau hier — und mit einer kleinen Geste signalisierten, dass sie Gesellschaft suchten. Gesellschaft jüngerer Männer. Kein Blick, kein Wort. Nur ein Löffel, der anders lag als sonst.
Und dann?
Dann, so erzählte man sich, wurden junge Männer, die auf dieses Zeichen eingingen und sich ihnen näherten, eingeladen. In Villen oberhalb des Sees, hinter diskreten Fassaden, wo man sich Dinge erlauben konnte, die außerhalb dieser Mauern nie ausgesprochen worden wären. Und wo Ehemänner, falls vorhanden, lediglich durch ihre Abwesenheit glänzten.
Manchmal seien es flüchtige Begegnungen gewesen.
Manchmal etwas mehr.
Ich erinnere mich noch, wie ich damals leise gelacht habe — bis dieses eine Detail fiel, so absurd, dass es sich festsetzte.
Die Glocke.
Ein kleines Glöckchen, angebracht an genau jener Stelle des Mannes, die wir Frauen doch am spannendsten finden. Und die man sonst eher verhüllt als dekoriert. Ein klingendes Zeichen von Besitz, von Spiel, vielleicht auch einfach von einem sehr spezifischen Sinn für Humor.
„Damit man sie hört“, hatte jemand gesagt. „Und sie damit durch die Wohnung laufen lassen kann.“
Ich hatte den Kopf geschüttelt.
Und gleichzeitig nicht aufhören können, es mir vorzustellen. Und mich zu fragen, wie viel davon wahr war.
Ein kleines Glöckchen, festgebunden am Penis. Läutend, wenn der Mann lief. Oder wenn er erregter wurde.
Und jetzt sitze ich hier.
Mit meinem Löffel.
Weil ich neugierig bin. Und obwohl ich mir nichts erwarte, so weiß ich doch, dass es bereuen würde, es nicht zumindest einmal ausprobiert zu haben. Wobei ich nicht einmal weiß, ob ich mutig genug wäre, es auszuprobieren, wenn sich etwas ergeben würde. Aber egal – ich sitze jetzt schon einmal hier und will keinen Rückzug machen.
Der Löffel, die Glocke und wir
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Der Löffel, die Glocke und wir
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