Der Neuanfang

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Der Neuanfang

Der Neuanfang

Solveig Raun

Erstmal in eine Ferienwohnung. Ich hoffe, er wacht endlich auf“., schließt sie. Tränen laufen aus ihren Augen, tropfen auf den Pullover.
Ich folge meinem Impuls und nehme sie erstmal in den Arm. Was zu noch mehr Weinen führt. So sitzen wir eine Weile. Bea lächelt mich schwach an. Ich lächele zurück. Versuche, sie mit anderen Sachen abzulenken, erzähle vom neuen Auftrag. Von einem lustigen Erlebnis mit einem Kollegen. Nach gut drei Stunden verabschiede ich mich. Mit dem Versprechen, nächstes Wochenende wiederzukommen. Und Beas Zusage, mich bei Bedarf anzurufen, egal wann. Egal wofür. Sie ist dankbar, umarmt mich lange zum Abschied. Ich fahre etwas beruhigter nach Hause.
Die Zeit bis zum nächsten Wochenende vergeht rasant, Samstag stehe ich wieder vor Beas Ferienwohnung. Sie wirkt gefasster:
„Ich hab nochmal mit Michael telefoniert. Habe ihm gesagt, dass ich so nicht weitermachen will. Mit ihm. Mit uns. Dass ich definitiv ausziehe. Mit dem Vermieter hier habe ich zwei weitere Wochen ausgehandelt. Ich werde mir eine feste Wohnung suchen, Sophie.“
Ich schaue sie mit einer Mischung aus Mitgefühl und Sorge an:
„Bist du dir sicher?“
„Ja, vielleicht war der Schritt schon länger fällig. Ich hatte das vor knapp 2 Jahren schon einmal überlegt. Da wo Michael so viel unterwegs war mit dem Job. Wir haben uns kaum noch gesehen, das war für mich schwer – er fands normal. Damals habe ich mich nicht getraut, jetzt wage ich es. Ein Neuanfang, mit fast 50... das ist seltsam.“
Ich lächele sie an.
„Ich hab leider keinen Sekt dabei.“
Sie lacht kurz auf:
„Tee tut’s auch!“
Wir stoßen auf den Neuanfang an. Dann sprechen wir über die Zukunft. Welche Pläne Bea hat. Wo sie hinziehen will, was ihre Ideen sind. Wir sitzen, bis die Sonne langsam sinkt und ich mich verabschiede, bis zum übernächsten Wochenende.

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